Wenn darüber gesprochen wird, was Kinder bei der Einschulung können sollen, dass ist oft von Buchstaben die Rede und manchmal werden auch Laute erwähnt. Ich selbst verwende oft den Begriff „lautgetreu“ und daher dachte ich, es wäre eine gute Idee, mal zu klären, was es mit den Begriffen auf sich hat. Zumal manche Fachbegriffe vielleicht auch bei Elternabenden oder in Elterngesprächen fallen.

Buchstaben von A bis Zett

Was Buchstaben sind, scheint erst einmal klar: A, B, C … bis Z. Aber: Es gibt den Buchstabennamen und den Lautwert eines Buchstaben. Da wird es schon kniffliger: Der Buchstabenname ist das, was wir sagen, wenn wir das Alphabet aufsagen: A, Be, Ce, De, E, Ef, Ge, Ha, I, Jott, Ka, El, Em, En, O, Pe, Qu, Er, Es, Te, U, Vau, We, Ix, Ypsilon, Zett. Der Lautwert ist der Laut zu einem Buchstaben, den wir in einem Wort hören. Bei Rabe ist das zum Beispiel: „R“, „A“, „B“, „E“ und nicht „Er“ „A“ „Be“ „E“. Aber hier werden schon zwei Dinge klar: Zum einen, warum Selbstlaute Selbstlaute heißen, ihr Buchstabenname enthält keinen Laut außer dem des Buchstaben: A, E, I, O, U. Zum anderen, warum Kinder am Anfang des Schreiblehrgangs Buchstaben weglassen. Sie verwechseln Buchstabenname und Lautwert: Besen ist dann eben Bsn, weil die Kinder so denken: Ich höre „Be“, also steht am Anfang ein B, dann höre ich „s“, das ist ein „s“ und noch „En“, also „n“. Den Fehler machen übrigens auch noch einige Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche, weil ihnen die gleiche Fähigkeit fehlt, die Schulanfänger nicht haben: die Laut-Buchstaben-Orientierung.

Laut-Buchstaben-Zuordnung

Die Laut-Buchstaben-Orientierung ist die Fähigkeit, jedem gehörten Laut einen Buchstaben zuzuordnen. Das ist gar nicht so leicht, denn zunächst muss man mal die Laute unterscheiden: Besen besteht aus den Lauten „B“ „E“ „S“ „E“ „N“. Diese Laute muss ein Kind erkennen und dann noch die passenden Buchstaben zuordnen. Das ist die Basis der verständlichen Schreibung und der Rechtschreibung. Diese Laut-Buchstaben-Zuordnung ist übrigens auch der Grund, warum in den Lauttabellen der Fibeln mehr als 26 Buchstaben stehen. „Ä“, „Ö“, „Ü“, „Au“, „Ei“, „Eu“, „Pf“, „Sch“, „Ch“ und „St“ gelten als eigene Laute. Diese komplizierten Laute, die nicht durch einen Buchstaben lernt Ihr Kind aber erst in der Schule, wenn es alle Buchstaben und deren Laute bereits kennt. Das ist dann auch früh genug.

Lautgetreue Wörter

Wenn ich Erstlesebücher schreibe oder Lernspiele konzipiere, versuche ich darauf zu achten, dass ich nur „lautgetreue Wörter“ nutze. Das sind Wörter, bei denen die Laute eindeutig auf einen Buchstaben hinweisen: „Rabe“ zum Beispiel oder „Ananas“, „Pirat“ oder „Dose“. Diese Wörter kann ein Kind, das das Prinzip der Laut-Buchstaben-Orientierung für das Alphabet begriffen hat, schon früh richtig schreiben. Das ist ein Erfolgserlebnis und gerade bei Spielen mit Selbstkontrolle wichtig. „Vase“ zum Beispiel schreiben Kinder oft „Wase“, weil sie korrekterweise das „V“ in dem Fall als „W“ hören. Deshalb ist übrigens die Eselsbrücke vom „Vogel-V“ gar nicht so gut, das „V“ kann unterschiedlich klingen. Dann lieber „Fenster-F“ oder „Feder-F“, das ist eindeutig. Kreuzworträtsel für Kinder zum Beispiel, die nicht lautgetreue Wörter enthalten, bringen fast immer einen Misserfolg, weil die Ausnahmewörter und die Rechtschreibprinzipien erst ab der zweiten Klasse bis zum Ende der vierten Klasse gelernt werden.

Lautkenntnisse von angehenden Schulkindern

Die meisten Kinder können, wenn sie in die Schule kommen, schon die Anfangslaute, die man auch Anlaute nennt, erkennen. Das können Sie mit einem einfachen Buchstabe-Bild-Memory üben, wenn Sie möchten. So etwas macht Vorschulkindern Spaß, weil sie sich auf diese Weise mit Schulthemen beschäftigen. Vielleicht basteln Sie sogar zusammen mit Ihrem Kind ein Buchstaben-Memory. Es werden aus Pappe oder Karteikarten Spielkärtchen erstellt: Auf das eine Kärtchen wird ein Buchstabe geschrieben, auf das andere ein passendes Bild aus einer Zeitschrift o. ä. geklebt. Zu jedem Buchstaben wird ein Bild gesucht, das passt: z. B. A – Affe, B – Banane oder Ball. Unter Extras finden Sie aber auch Vorlagen für ein solches Memory.

Die Lage der Laute erkennen

Eine Übung, die in manchen Schultests vorkommt, ist die Frage nach der Lage eines Lautes. Die Kinder hören Wörter und müssen sagen, ob sie einen vorher benannten Laut am Anfang, am Ende oder in der Mitte hören. Bei „Besen“ ist der „S“-Laut in der Mitte, bei „Sahne“ am Anfang und bei „Bus“ am Ende. Vielleicht kennen Sie noch dieses Lagerfeuerspiel, bei dem man Wortketten bildete: Der erste sagte ein Wort und der nächste musste ein Wort mit dem letzten Buchstaben bzw. Laut eines Wortes bilden. Mit dem Spiel können Sie auch das Bewusstsein Ihres Kindes für Laute schärfen. Aber Sie müssen bedenken: Manche Laute können durch verschiedene Buchstaben dargestellt werden – ein „D“ am Ende eines Wortes klingt oft wie „T“ in „Hund“ zum Beispiel, ein „B“ wie ein „P“ in „Korb“ und ein „G“ wie ein „K“ in „Zug“. Wir wissen, dass da ein „D“, „B“ oder „G“ stehen muss, weil Sie natürlich die Wörter sehen J und weil wir sie so oft geschrieben haben, dass ich das eingeprägt hat. Kinder verlassen sich auf ihr Gehör und da folgt auf „Hund“ dann vielleicht „Tiger“, was Sie einfach akzeptieren sollten, ohne weiter darauf einzugehen. Auch das lernt es dann in der Schule und wenn es gelernt hat, wie es den Unterschied ermitteln kann, dann können Sie das Spiel noch einmal spielen mit der korrekten Laut-Buchstaben-Zuordnung J Upps. Der Beitrag sollte gar nicht so lang werden, erstaunlich, wie viel man über ein solch scheinbar einfaches Thema schreiben kann, das zeigt aber auch, was Kinder alles lernen müssen, was uns selbstverständlich erscheint. Also nicht schimpfen, wenn Ihr Kind Laute und Buchstaben nicht gleich zuordnen kann.