In den meisten Bundesländern sollen die Kinder die nächstgelegene Schule besuchen, das hat sicher vor allem logistische Gründe, ist aber auch für die Entwicklung gut. Das Kind hat Freunde im Umfeld und es kann vielleicht sogar schon bald selbstständig zur Schule gehen.

Das Schulkind loslassen

Natürlich erwartet niemand, dass Ihr Kind vom ersten Schultag an mutterseelenallein in die Schule geht. Aber je früher es, den ganzen Weg oder einen Teil des Weges alleine oder mit anderen Kindern zusammen zurücklegt, umso selbstständiger wird es. Ich weiß, dass Eltern ihre Kinder am liebsten immer beschützen möchten, aber das wird nicht ewig gehen. Und je eher ein Kind lernt, sein Leben da, wo es geht, selbst zu gestalten, umso leichter wird es sich in neuen und ungewohnten Situationen zurechtfinden. Geben Sie sich also einen Ruck und suchen Sie Möglichkeiten, Ihrem Kind diese kleinen Mut-Erlebnisse zu verschaffen. Spätestens, wenn es vor Stolz strahlt, weil es den Schulweg alleine geschafft hat, werden auch Sie froh über diese Entscheidung sein.

Die Schulweggemeinschaft

Das „allein“ in der Überschrift meint nicht, dass Ihr Kind unbedingt ganz allein unterwegs sein soll. Schauen Sie, sobald Sie wissen, welche Kinder mit ihm in eine Klasse gehen, ob sich Schulweggemeinschaften bilden können. Vereinbaren Sie mit den Eltern der anderen Kinder zum Beispiel, dass immer nur ein oder zwei Elternteile die Kinder auf dem Schulweg begleiten, sodass manche Kinder mit und andere ohne Eltern unterwegs sind. So lernen sie in einem geschützten Rahmen, alleine zur Schule zu gehen. Irgendwann können die Kinder sich dann auch ohne Begleitung auf den Weg machen. Wann genau das ist, hängt vom Schulweg und von den Kindern ab.

Alleine auf dem Schulweg 

Ich hatte das Glück, dass ich im ersten Schuljahr nur ein paar Schritte gehen und unsere Straße überqueren musste, um zur Schule zu gelangen und durfte mit meiner Freundin von gegenüber vom zweiten Schultag an alleine gehen. Nach einem Umzug wohnten wir ab der zweiten Klasse leider mehrere Kilometer weit weg von der Schule und ich wurde mit dem Auto gebracht. Da ich aber die Erfahrung aus der ersten Klasse hatte, habe ich meinen Vater gedrängt, mich nicht bis zur Schule zu bringen, sondern am Kindergarten, den meine Schwester besuchte, aussteigen zu lassen. Und ich war froh, als ich im Laufe der zweiten Klasse endlich mit dem Rad zur Schule fahren durfte. Heutigen Kindern geht es ähnlich, sie wollen selbstständig werden. Wenn Sie weiter weg von der Schule wohnen, ist das ja auch eine Lösung, das Kind ein paar Meter vor der Schule aus dem Auto zu lassen und den Alleine-Weg immer etwas zu vergrößern. Wieder ein Baustein für ein gesundes Selbstvertrauen.

Der richtige Schulweg

Ob Sie Ihr Kind bis vors Schultor bringen oder nicht, in jedem Fall sollten Sie den Schulweg – zu Fuß und/oder mit dem Bus vor dem ersten Schultag ein oder zweimal gemeinsam abgehen oder fahren. Das verschafft Ihrem Kind ein Gefühl von Sicherheit, im Notfall findet es ohne Hilfe zur Schule und vor allem nach Hause. Gerade, wenn Sie Ihr Kind abholen, kann immer etwas dazwischen kommen. Beim Schulweg-Spaziergang können Sie auch gleich nach einem optimalen Weg suchen, bei dem Zebrastreifen oder Ampeln das gefahrlose Überqueren von Straßen ermöglichen. Manche Städte erstellen dafür – oft zusammen mit der Polizei – spezielle Schulwegpläne, an denen die Gefahrenstellen und die Übergänge eingezeichnet sind. Erkundigen Sie sich bei der Stadtverwaltung, ob es so etwas bei Ihnen gibt, sofern Sie den Plan nicht im Kindergarten bekommen haben.

Der eigene Schulwegplan

Sollte es in Ihrer Stadt keinen Schulwegplan geben, erstellen Sie mit Ihrem Kind doch einfach einen eigenen Plan. Besorgen Sie sich in der Stadtinformation einen der kleinen Stadtpläne, die fast alle Kommunen für Touristen bereithalten. Suchen Sie zu Hause Ihre Wohnung und die Schule auf dem Plan und markieren Sie sie, zum Beispiel indem Ihr Kind dort Ihr Haus und die Schule einzeichnet oder ankreuzt. Suchen Sie auf dem Plan schon gemeinsam einen Weg, der passen würde und gehen Sie den Weg dann ab. Zeichnen Sie markante Stellen oder die Haltestellen ein, die Ihrem Kind auffallen und an denen es sich orientieren würde. Stricheln Sie zu Hause den Weg, den Sie als optimalen Weg ausfindig gemacht haben. Selbst, wenn Ihr Kind den Plan nie benötigen sollte, hat es sich auf diese Weise doch so intensiv mit dem Weg beschäftigt, dass es mit sicherem Gefühl zur Schule geht.