Waren Sie auch so ein Kind, zu dem die Eltern ständig sagten: „Sei nicht so neugierig?“, ich glaube, mein Interesse an allem war für meine Eltern eine ziemliche Plage. Aber sie hat mich durchs Leben getragen, weil ich neue Situationen, neue Menschen und neue Orte immer eher neugierig als ängstlich betrachtet habe.

Die Gier nach Neuem

Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass wir Menschen ein Bedürfnis nach Neuem haben, dass also unsere „Gier“ nach neuen Dingen angeboren ist. Ihr Kind kann also gar nichts dafür, dass es ständig fragt und alles anfasst, was in seine Reichweite kommt. Wenn man sich anschaut, was ein Kind vom ersten Atemzug bis zum ersten Schultag schon gelernt hat, ist die Erkenntnis nicht verwunderlich. Mit seiner Gier nach neuem und dem Interesse an der Welt hat es sich ein Weltbild geschaffen, das ihm hilft, ungewöhnliche Erlebnisse einzuordnen, zu verstehen und zu bewerten. Je älter es wird, umso sicherer wird es darin, zu entscheiden, was gefährlich und ungut sein könnte, wo es nicht ohne Hilfe Erwachsener weiterkommt und was es noch wissen möchte. Neugier ist also bei weitem keine negative Eigenschaft, wie man es früher darstellte. Statt „Sei nicht so neugierig“ müsste es also eigentlich heißen: „Sei neugierig“. 🙂

Neugier ernst nehmen

c-birgit-ebbert-img_2743Na gut, es gibt Dinge, die muss ein angehendes Schulkind oder ein Grundschulkind nicht unbedingt wissen, aber es gibt heute kaum etwas, das es nicht mitbekommt. Als Eltern sollten Sie daher immer auf alle Fragen vorbereitet sein. Das heißt nicht, dass Sie alles sofort beantworten und erklären müssen. Wichtig ist, dass Sie die Fragen Ihres Kindes ernst nehmen. Leichte Fragen können sie sofort beantworten, komplexe und kaum lösbare Fragen mit dem Hinweis, dass Sie erst selbst darüber nachdenken müssen. Eltern müssen nicht alles wissen, sie müssen wissen, wo Sie Antworten finden 🙂 Wirklich, es hilft Ihrem Kind schon, wenn Sie seine Fragen ernst nehmen. Wenn Sie keine Zeit oder Antwort haben, bitten Sie es, seine Frage „aufzuschreiben“ – mit Worten, wenn es die schon beherrscht, oder mit einer Skizze. Stellen Sie eine hübsche Dose oder eine Glasvase in den Flur und sammeln Sie dort die offenen Fragen für das Wochenende, den Urlaub oder wann immer Sie Zeit haben, sich mit den Fragen zu beschäftigen.

Einen Wissensschatz aufbauen

c-birgit-ebbert-img_6543Ich finde ja das Adjektiv „wissbegierig“, das heute fast ausgestorben ist, sehr viel schöner als „neugierig“. Denn letztlich trifft es den Kern dessen, was Neugier bedeutet. Neugier oder Wissbegier ist eine wichtige Grundlage für das Lernen. Je neugieriger ein Kind ist, umso größer wird der Schatz seines Wissens. Und je größer der Wissensvorrat ist, umso besser kann sich Ihr Kind merken, was er in der Schule lernt. Dafür reicht es jedoch nicht, neugierig zu sein. Wichtig ist, das Neue genauer zu betrachten. Genau das tut Ihr Kind, wenn es Fragen stellt. Damit zeigt es, dass es Interesse an dem Neuen hat.

Die Grundlage für Interesse und Neugier sind Angebote – je unterschiedlich die Dinge sind, die Ihr Kind sieht und erlebt, umso stärker wird seine Neugier geweckt und umso eher kann es ein Interesse für etwas entwickeln. Das gilt sowohl für Ihre Wohnung als auch für das, was Sie mit Ihrem Kind im Urlaub oder in der Freizeit unternehmen. Dabei können Sie Ihre persönlichen Interessen mit der Förderung Ihres Kindes verknüpfen, indem Sie gemeinsam ein Museum besuchen oder einen Kletterkurs absolvieren, ein Rockkonzert anhören oder einen Spaziergang im botanischen Garten machen.

Zu Hause fördern Sie Ihr Kind am besten dadurch, dass Sie es in den Alltag einbeziehen, vor allem auch bei den Dingen, die nicht täglich stattfinden wie den Balkon bepflanzen oder eine Glückwunschkarte schreiben. Die Fragen Ihres Kindes werden auch Sie anregen, solche Dinge einmal von einem anderen Blickwinkel zu betrachten und Sie werden sich wundern, was Ihr Kind alles entdecken kann, wenn es entdecken darf.

Durch Kinderfragen lernen

c-birgit-ebbert-img_4836Wenn Sie Lust haben, schreiben Sie mir doch die Fragen Ihres Kindes, die Sie am schönsten finden oder auf die Sie keine Antwort haben. Vielleicht finden wir gemeinsam eine Antwort. Manchmal muss man dafür auch außergewöhnliche Wege gehen. Als ich vor vielen Jahren meinen ersten Job in Stuttgart annahm, gab es noch kein Internet. Eines Tages sagte eine Kollegin: „Kannst du mir helfen? Unsere Tochter möchte wissen, ob Delfine einen Bauchnabel haben?“ Da Biologie nicht mein Fachgebiet ist, habe ich kurzerhand in der Wilhelma, dem Stuttgarter Zoo, angerufen. Ich wurde durchgestellt, musste eine Zeitlang warten, aber am Ende wusste ich: Ja, ein Delfin hat einen Bauchnabel, den man in der dicken Fettschicht aber nicht sieht. Man kann mich noch heute nachts um zwei Uhr wecken und fragen, ob ein Delfin einen Bauchnabel hat und ich kann es erklären 🙂 Also her mit Ihren Erlebnissen 🙂