Nun steht er also bevor, der letzte Kindergartentag, damit ist dieser Lebensabschnitt Geschichte und nur noch Teil der Erinnerung. Aber obwohl die ersten Lebensjahre so wichtig im Leben eines Menschen sind, setzt die bewusste Erinnerung doch erst später, etwas mit dem sechsten, siebten oder auch erst achten Lebensjahr ein. Deshalb ist es wichtig, dass Sie für Ihr Kind Erinnerungsstücke an die Zeit vor der Einschulung aufbewahren, die ihm später helfen, sich zu erinnern. Das gilt übrigens auch für den ersten Schultag – oder haben Sie noch bewusste Erinnerungen an diesen wichtigen Tag?

Weshalb sind Erinnerungen so wichtig?

Entwicklung und Lernen ist eine Abfolge von Erfahrungen, die wir bewusst oder unbewusst machen. Die meisten Fertigkeiten eignen wir uns nicht gezielt an, sondern in dem wir sie sehen, nachmachen, gut finden und wiederholen oder auch zur Wiederholung von außen motiviert werden. Ebenso ist es mit dem Wissen, das wir uns aneignen. Alle diese unbewusst aufgenommenen Kenntnisse beeinflussen im späteren Leben unsere Entscheidungen und unser Verhalten. Wer zum Beispiel als Kind eine unangenehme Begegnung mit einem Hund hatte, neigt oft automatisch zu Misstrauen gegenüber Hunden, obwohl er sich nicht an das Ereignis erinnern kann. Erinnerungen helfen einem also einerseits, sich selbst zu verstehen, aber sie können auch Musterlösungen für unbekannte Situationen sein. Ganz abgesehen davon, dass Erinnerungen tröstlich und mutspendend sein können.

Die Kindergartenmappe als Erinnerungsstück

Ich bin deshalb auf das Thema für diesen Blogbeitrag gekommen, weil ich kürzlich meine eigene Kindergartenmappe eingescannt habe. Ich habe das Glück, dass das Sammlergen in meiner Familie stark ausgeprägt war und meine Eltern viele Erinnerungsstücke an meine Kindheit aufbewahrt haben. So gibt es noch die ersten selbstgebastelten Steinmännchen und reizende Namenschilder von Kindergeburtstagen. Und die Kindergartenmappe sowie die Bildermappe aus der Grundschule, sogar mein erstes Schulheft sind noch vorhanden. Nun ist inzwischen so viel geschehen, dass ich heute nicht mehr auf meine Kindergartenerinnerungen angewiesen bin, um das Leben zu bestehen. Trotzdem habe ich Freude daran, zu sehen, was ich damals konnte oder auch nicht konnte (malen zum Beispiel 🙂 ) Aber rückblickend wäre ich während der Zeit auf dem Gymnasium manchmal froh gewesen, wenn jemand mit mir die Arbeitsergebnisse aus Kindergarten und Grundschule angesehen hätte, denn da habe ich manches schon sehr gut hinbekommen und das hätte mein Selbstvertrauen gestärkt. Deshalb möchte ich Sie ermuntern, die Arbeitsergebnisse und die Kindergartenmappe Ihres Kindes nicht gleich zu entsorgen, sondern aufzubewahren. Das mag selbstverständlich klingen, aber ich war in diesem Frühjahr wieder in vielen Kindergärten und habe mehrmals gehört, dass die Mappen nicht einmal abgeholt wurden. Wie traurig für das Kind, oder?

Füllen Sie eine Erinnerungskiste

Mein Tipp ist sogar, mit Ihrem Kind nach dem letzten Kindergartentag eine Erinnerungskiste zu packen. Das kann ein Schuhkarton sein, die Sie mit Geschenkpapier oder ausgeschnittenen Bildern bekleben, oder eine hübsche Pappschachtel mit Bildern des aktuellen Helden Ihres Kindes, Prinzessin Sowieso, Schwammkopf oder was auch immer es sein mag. So fördern Sie noch ganz nebenbei die Feinmotorik und andere Vorläuferfähigketen Ihres Kindes 🙂 Entscheiden Sie gemeinsam, welche gebastelten Werke und Bilder in die Kiste kommen. Nehmen Sie bewusst auch die Bilder von der Pinnwand und vom Kühlschrank und räumen Sie sie weg. Jetzt fängt ein neuer Lebensabschnitt an, das sollten Sie zelebrieren, um zu zeigen, dass es kein Zurück gibt, aber auch unendlich viel Platz für neue Möglichkeiten und Ergebnisse. Und vielleicht ist das auch ein schöner Anlass in Ihrer Erinnerungskiste zu kramen – ob sie nun real vorhanden ist (bei mir ist mein Kinderkoffer, in dem ich für Reisen meine Utensilien verstaute) oder ob die Erinnerungen nur in Ihrem Kopf sind. Bestimmt malt Ihr Kind gerne ein Bild zu Ihrer Erinnerungsgeschichte, damit Sie auch ein Erinnerungsstück haben. Wenn Sie Zeit und Lust haben, schicken Sie mir doch ein Bild der Erinnerungskiste Ihres Kindes oder auch von der Kindergartenmappe. Ich sammle gerade Beispiele, weil es mich fasziniert, wie viel sich seit meiner eigenen Kindergartenzeit geändert hat und wie viel doch auch gleich geblieben ist.