Erstlesebücher sind Bücher, die speziell für Leseanfänger konzipiert werden, um sie zum Lesen zu motivieren. Lesen lernen ist sehr schwer, das vergessen wir meist, weil es uns heute so leicht vorkommt und wir uns nicht an unsere Zeit als Leseanfänger erinnern. Aber bis ein Kind das Prinzip verstanden hat, muss es viel üben und selbst dann dauert es meist einige Zeit, bis es sich an die dicken spannenden Bücher wagen kann. Erstlesebücher, die speziell für Leseanfänger konzipiert werden, sind da einige gute Möglichkeit, Lesen üben und Freude am Lesen gewinnen zu verbinden.

Was Erstlesebücher von anderen Büchern unterscheidet

Die Geschichten in den Büchern für Leseanfänger sind nicht anders als in anderen Büchern. Allerdings sorgen Erstlesebücher dafür, dass die Geschichten überschaubar sind und die Leseanfänger schnelle Erfolgserlebnisse haben. Es gibt einige Erstlesereihen bei den Kinderbuchverlagen, die sich in Kleinigkeiten unterscheiden. Alle achten darauf, dass

Erstlesebücher

Mein erstes, selbst geschriebenes Erstlesebuch 🙂

  • die Bücher auf das Alter, die Klasse und die Lesestufe abgestimmt werden,
  • die Schrift für die Leseanfänger groß ist, damit die Buchstaben leichter zu unterscheiden sind
  • die Buchstaben eindeutig zu erkennen sind, bei manchen Schriften sieht zum Beispiel das kleine „L“ aus wie das große „I“, für einen Leseneuling natürlich sehr anstrengend
  • die Seiten nicht zu voll sind und sich Bild und Text die Waage halten (unter uns: Ich tue mich heute auch schwer mit einem Buch, auf dessen Seiten reine Bleiwüsten, womöglich noch ohne Absatz stehen und freue mich über leere Zeilen, die meinem Blick einen Halt geben)
  • die Geschichten umfassen viele kleine Kapitel, sodass die Kinder sich von Kapitel zu Kapitel lesen können (ich bin ja auch eine Kapitelleserin, weil ich dann immer weiß, wo ich gut eine Lesepause einlegen kann)
  • die Wörter nicht zu schwer sind (an einem Wort wie „Schwimmweste“ liest ein Leseanfänger mehrere Minuten und hat es immer noch nicht verstanden, meine Faustregel ist: höchstens doppelt so viele Konsonanten wie Vokale in einem Wort)
  • die Sätze nicht zu komplex sind (wer noch Wort für Wort erlesen muss, hat irgendwann vergessen, was am Anfang steht, wenn der Satz zu lang oder verschachtelt ist)
  • die Sätze am Zeilenende sinngerecht unterbrochen sind (ich achte zum Beispiel immer sehr darauf, dass Artikel und Nomen nicht getrennt werden, weil Kinder nach meiner Erfahrung am Ende einer Zeile eine Denkpause einlegen und den Zusammenhang zur nächsten Zeile oft nicht finden)

Das richtige Buch für Ihr Kind

Wie schon gesagt, das Angebot an Erstlesebüchern ist riesig. Am besten gehen Sie mit Ihrem Kind in die Bücherei und Buchhandlung und lassen es selbst auswählen, was es anspricht. Wenn Sie ein Buch schenken möchten, achten Sie darauf, für welches Alter oder welche Klasse es geschrieben wurde. Die Angaben geben eine grobe Richtung vor. Manche Kinder können besser lesen, andere weniger gut. Deshalb dränge ich gerne darauf, dass auf den Büchern keine Klasse, sondern ein Alter steht. Es lesen eben in der zweiten oder dritten Klasse nicht alle Kinder gleich gut, ich unterrichte oft Drittklässler, die gerade mal ein Buch für die erste Klasse schaffen – das aber nicht lesen wollen, weil „1. Klasse“ darauf steht 🙁 Vor allem aber sollten Sie sich von den Interessen des Kindes leiten lassen, das erhöht die Chance, dass das Kind das Buch liest.

Wie ich dazu kam, Erstlesebücher zu schreiben

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Und aus diesem Buch lese ich besonders gerne in Schulen.

Ich kenne Erstlesebücher, seit ich mich mit Leseförderung beschäftige, also seit Jahrzehnten, vermutlich von Anfang an. Allerdings kamen mir manche Bücher immer zu schwer vor für Leseanfänger. Das hat sich dann bestätigt, als ich die Erstlesebücher mit meiner Patentochter las. Sie war im ersten Schuljahr, es war etwa ein halbes Jahr nach der Einschulung, da hat sie ein Buch buchstäblich in die Ecke geworfen, weil sie fand: „Das Wort Schwimmweste kann doch kein Mensch lesen.“ Heute kann sie das, aber damals hat sie Buchstabe für Buchstabe gelesen: S – c – h – w – i – m – m – w usw. und da kam natürlich kein sinnvolles Wort bei zustande. Deshalb achte ich noch heute pingelig darauf, dass solche Wörter in meinen Erstlesebüchern und in denen, die ich lektoriere, nicht vorkommen. Die Autoren sind manchmal etwas irritiert, aber die Rückmeldung der Kinder war bisher immer positiv. Von meiner Patentochter kam auch der Hinweis mit den Kapiteln. Sie hat nämlich die Kapitel in einem Buch als „Geschichten“ betrachtet und war jedes Mal stolz, wenn sie wieder eine gelesen hatte. Seitdem achte ich bei meinen Büchern für die Leseanfänger darauf, dass sie viele „Geschichten“ enthalten und Sie sollten bei der Auswahl eines Buches unbedingt darauf achten.

Wie mein Erstlesebuch „Ben gefangen im Watt“ entstanden ist