Vor Jahrzehnten wurde die Schulfähigkeit oder Schulreife eines Kindes vor allem an der körperlichen Entwicklung festgemacht und geprüft, wie weit die Grob- und Feinmotorik entwickelt war. Heute spielen auch andere Faktoren eine Rolle, was nicht bedeutet, dass gerade Fingerfertigkeit und Geschicklichkeit unwichtig sind.

Was ist eigentlich Feinmotorik?

Feinmotorik bezeichnet die Fähigkeit, Gliedmaße wie Finger und Zehen zu bewegen, möglichst gezielt. Na gut, für die Schule ist in erster Linie die Feinmotorik der Finger bedeutsam, die auch Graphomotorik genannt wird. Um lesbar, leicht und flüssig schreiben zu können, ist es nun einmal wichtig, seine Finger und Hände steuern zu können. Je eher ein Kind das lernt, umso leichter fällt es ihm in der Grundschule. Ja, das ist so. Ich erlebe immer wieder Kinder, die noch in der dritten oder vierten Klasse den Stift umklammern, als wäre er ein Rettungsanker und in einem Aufsatz einen Fineliner kaputtschreiben, weil sie so fest drücken. Das ist beim Malen mit Wachsmalkreide vielleicht nötig, aber beim Schreiben hinderlich, weil die Hand schnell ermüdet und jeder einzelne Buchstabe, jede einzelne Zahl viel Zeit braucht.

Feinmotorik fordern

Im Prinzip wird die Feinmotorik eines Kindes bei jeder Gelegenheit gefordert, wo es die Finger gezielt einsetzen muss. Die Betonung liegt auf gezielt. Das geschieht zum Beispiel beim Ausmalen eines Bildes, sofern das Kind innerhalb des Musters oder Bildes bleibt. Ein dreijähriges Kind kann und braucht diese Grenzen der vorgezeichneten Figur noch nicht einhalten, aber als Vorschulkind wäre es gut, wenn das Kind übt innerhalb des Musters zu bleiben. Letztlich sind die Linien des Musters eine Vorstufe für die Linien, die beim Schreiben eingehalten werden müssen. Das gilt ebenso für das Nachfahren eines Labyrinths oder von Schwungübungen. Manche Kinder achten von alleine darauf, nicht über die Linie zu malen, andere sollten vorsichtig darauf hingewiesen. Nicht, indem man ihnen sagt, das sei falsch oder schlecht, sondern mit der Bemerkung, dass es bald in die Schule kommt und hier schon prima für die Schule üben kann, wie es ist innerhalb von Linien zu bleiben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade in den letzten Monaten vor der Einschulung Kinder fragen, ob sie das richtig machen, ob das schon gut ist für die Schule. Daran lässt sich gut anknüpfen.

Feinmotorik fördern

Feinmotorik-Training in den 60er-Jahren 🙂 – macht aber auch heute noch Spaß!

Die Fingerfertigkeit und Geschicklichkeit wird beim Basteln, zum Beispiel Dekoration für die Einschulungsparty :-), Schneiden, Spielen, Kritzeln immer wieder gefördert. Als ich Kind war, wurde sie automatisch gefördert, wenn wir mit dem Steckspiel Muster steckten. Erst kürzlich habe ich die Reste der Materialien im Keller gefunden. Ähnlich geht das heute mit Bügelperlen oder anderen kleinteiligen Bastelmodulen, aus denen kleine Werke entstehen. Da können Sie an Ihre Erfahrungen aus der Kindheit anknüpfen, falten Sie mal wieder Himmel und Hölle, schneiden Sie Sterne oder Schneeflocken, kleben Sie Steinmännchen, lassen Sie Ihr Kind die Knöpfe sortieren, spielen Sie Dame, Schach oder Mensch ärgere dich nicht …

Feinmotorik üben zum Beispiel beim Prickeln

Oder lassen Sie Ihr Kind prickeln. Als ich kürzlich im Lingen Verlag war, habe ich gesehen, dass es heute tatsächlich Prickel-Sets gibt. Ich war begeistert und habe hier nun eine kleine Sammlung von Leo Lausemaus-Figuren, die ich gleich ausgeprickelt habe. Was Prickeln ist? Ich habe das schon als Kind gerne gemacht, daher wusste ich das gleich 🙂 Man piekst mit einer etwas dickeren Nadel Muster aus einem etwas dickeren Papier. In dem Leo Lausemaus-Prickelset gibt es eine solche Nadel, einen Block mit Mustern, die ausgeprickelt werden können und eine weiche Unterlage, damit die Prickelnadel nicht in Tisch, Finger oder Bein landet. Ich habe gerade gesehen, es gibt auch von anderen Verlagen solche Prickelsets, die kann ich jetzt nicht alle probieren, weil ich nämlich gleich eine andere Idee hatte, was ich mit der Prickeltechnik anstellen kann: Buchstaben-Prickeln! Ich suche ja immer nach Wegen, Buchstaben und Zahlen ganz nebenbei zu üben. Einfach auf Tonkarton den Umriss eines Buchstaben malen (oder mit dem PC erstellen und ausdrucken) und das Kind prickeln lassen.

Es gibt so viel, womit ein Kind mit viel Spaß die Feinmotorik üben kann: Spiele wie Stapelpferd oder Jenga, Lernhilfen mit Schwungübungen, Ausmalbücher, Scratchbooks, selbst das Aufkleben von Stickern in einem Stickerheft verlangt eine gute Geschicklichkeit. Haben Sie weitere Ideen, wie Sie mit Ihrem Kind die Geschicklichkeit der Finger üben können? Dann her damit 🙂