Fliegen in der FantasieNun ist es bewiesen: Wer in Gedanken zum Mond reist, trainiert wichtig Fähigkeiten, die ihm im Alltag helfen. Zumindest für Kinder zwischen drei und fünf Jahren haben amerikanische Forscher herausgefunden, dass Fliegen in der Fantasie förderlich für das Arbeitsgedächtnis sind.

Fantasie verleiht Fähigkeiten

Eigentlich ist es nicht verwunderlich, was die Forscher herausgefunden haben. Wenn man sich überlegt, was Kinder alles im Kopf haben müssen, wenn sie mit ausgebreiteten Armen durch die Turnhalle oder über den Rasen fliegen. Einerseits stellen sie sich vor, sie wären Vögel. Fragt man sie, können sie einem auch genau erklären, wie sich das anfühlt und was sie sehen. In Wirklichkeit laufen sie aber über den Boden und müssen aufpassen, dass sie keine anderen Kinder treffen. Auch stolpern sollten sie nicht, dann wäre die schöne Illusion dahin.

Für das Denken bedeutet dies, die Kinder springen ständig zwischen der Fantasie und der Realität hin und her. Dabei haben sie die Regeln beider Ebenen im Kopf: Als Vögel müssen sie mit den Armen flattern und als Kind darauf achten, wo sie laufen. Das sind schon die Vorläufer von Multitasking.

Wie haben die Forscher das herausgefunden

Es war die Psychologin Rachel Thibodeau, die an der Universität von Alabama die Studie durchgeführt hat. Mit ihren Kolleginnen beobachtete sie 110 Kinder von drei bis fünf Jahren beim Spiel. Sie ermunterten 39 Kinder 15 Minuten am Tag ein „Als-ob-Spiel“ zu spielen: Wir tun so, als ob wir Vögel wären. Mit einer zweiten Gruppe sangen Forscher 15 Minuten am Tag Lieder oder malten Bilder und eine dritte Gruppe blieb wie bisher auch in der Kindergartengruppe.

Nach fünf Wochen wurden die Kinder getestet, unter anderem wurde das Arbeitsgedächtnis überprüft, das ist so etwas wie der Arbeitsspeicher am PC. Mit diesem Gedächtnis merken wir uns gleichzeitig mehrere Dinge, die wir für unsere aktuelle Tätigkeit gebrauchen. Außerdem wurde die Selbstkontrolle in den Blick genommen, das ist die Fähigkeit, sich selbst zu etwas zu zwingen, zu dem man keine Lust hat. Es zeigte sich, dass die Als-ob-Spiel-Kinder in beiden Fähigkeiten besser geworden waren im Vergleich zu den anderen Kindern.

Was heißt das für die Förderung

Für Sie ändert sich vermutlich nicht viel – Sie müssen Ihr Kind einfach nur machen lassen, wenn es gerne Rollenspiele spielt oder sich mit Haut und Haar in Fantasiefiguren verwandelt. Aber natürlich können Sie diese Als-ob-Spiele auch anstoßen, beim Spazierengehen tun Sie so, als sei Ihr Kind ein Hund oder beim Einkaufen als sei es der Einkaufswagen. Der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Fragen Sie einfach Ihr Kind, als was es gerade unterwegs sein möchte.

nach. „Auf zum Mond!“ in Psychologie heute 7/2016, S. 10