Nach den Fragen zur Einschulung ist hier nun der zweite Block mit Fragen zur Schulvorbereitung, die im Rahmen unseres Gewinnspiels zum Schulstart gestellt wurden. Es geht vor allem um die Vorbereitung auf die Schule an sich und den ersten Schultag im Besonderen.

Was ist bei der Schulvorbereitung in der Familie wichtig?

Das Wichtigste – und das gilt für einige der folgenden Fragen auch – ist, dass Eltern ihren Kindern klar machen, dass die Schule ab dem Tag der Einschulung ihr „Job“ ist. So wie Eltern ihre Arbeit und Aufgaben haben, so hat ab dem ersten Schultag auch das Kind seine Arbeit. Die findet in der Schule und zu Hause statt. Daran gibt es nichts zu rütteln, da hilft kein Zetern, sondern das Beste ist, sich darauf einzulassen. Das betrifft dann eben auch die Hausaufgaben. Ich weiß, das klingt ein wenig hart und für manchen auch realitätsfern, aber versuchen Sie es. Hier ticken Kinder nicht anders als Erwachsene – wir sagen uns auch an Tagen, an denen wir keine Lust haben zur Arbeit: Du musst dorthin. Auch so etwas müssen Kinder lernen, ohne Anstoß von Ihnen entwickelt sich eine solche Einstellung nicht. Darüber hinaus ist es wichtig, mit dem Kind über seine Ideen, Sorgen und Ängste zu sprechen. Auch über seine überzogenen Vorstellungen, was es zum Beispiel schon ab dem zweiten Schultag alles lesen oder schreiben will. Lernen braucht Zeit. Schließlich ist es sinnvoll, im Blick zu haben, wie weit die Vorläuferfähigkeiten für das schulische Lernen entwickelt sind und was vielleicht stärker gefördert werden müsste.

Wie finde ich den passenden Schulranzen?

Den passenden Schulranzen für Ihr Kind können Sie als Eltern nur mit dem Kind zusammen kaufen. Es sollte ihn unbedingt aufsetzen. Das geht uns doch bei Rucksäcken genauso, es mag sein, dass alle ein Modell positiv bewerten, aber wir fühlen uns mit dem Modell eingeengt. Bei der Motivwahl sollte es Mitspracherecht haben. Aber Sie sollten es ermuntern, darüber nachzudenken, ob es glaubt, dass es genau dieses Motiv auch in zwei Jahren noch gut findet.

Was tun gegen Angst des Kindes vor der Schule?

Ich bin immer wieder verwundert, dass Kinder auch heute noch Angst vor der Schule haben, wo die Kitas doch sehr früh darauf vorbereiten. Aber vielleicht kommt es auch genau dadurch, dass Kindern klar wird, wie viel sich ab dem 1. Schultag ändert. Um herauszufinden, woher die Angst kommt, sollten Sie mit dem Kind sprechen und danach fragen, was genau ihm Angst macht? Ist er Auslöser die Erzählung eines anderen Kindes, eine Geschichte, ein Film oder auch die Angst, die es bei den Eltern verspürt. Versuchen Sie gemeinsam die Ursachen so konkret wie möglich zu fassen, um sie dann aufzulösen. Ihrem Kind macht der große Pausenhof Angst? Dann besuchen Sie gezielt Plätze und Veranstaltungen, wo viele Leute sind – einen Flohmarkt zum Beispiel oder das Schulfest in der Schule. So gewöhnt es sich daran und Sie können herausfinden, ob es da noch konkretere Sorgen gibt, dass es den richtigen Eingang nicht findet oder so.

Was mache ich, wenn mein Kind kein Interesse an der Schule hat?

Da würde ich vor allem nachfragen, woran es liegt. Die meisten Kinder freuen sich auf die Schule, weil sie wissen, dass sie dort Fähigkeiten lernen, mit denen sie selbstständiger und unabhängiger werden. Die Frage ist daher auch, besteht kein Interesse an der Schule oder an einzelnen Themen wie Buchstaben, Zahlen etc. Wenn es eher die einzelnen Themen sind, für das sich Ihr Kind nicht interessiert, würde ich gelassen bleiben. Schließlich soll es das erst in der Schule lernen. Versuchen Sie die Themen eher durch die Hintertür ins Leben Ihres Kindes zu bringen. Fragen Sie zum Beispiel beim Einkauf, welche Zahlen denn neben dem Schokoriegel stehen, den das Kind gerne möchte. Natürlich kann es nicht 79 Cent lesen, aber aus „7“ und „9“ können Sie im Kopf leicht eine 79 machen und Ihr Kind erlebt, wie sinnvoll es ist, Zahlen zu beherrschen. Oder wählen Sie Spiele, in denen Buchstaben vorkommen.

Welche Förderungsmöglichkeiten gibt es bei Sprachstörungen?

Sprache ist eine wichtige Basis, um Lesen und Schreiben zu lernen. Ja, auch fürs Schreiben, wer Laute nicht richtig aussprechen kann, tut sich häufig schwer, ihnen den passenden Buchstaben zuzuordnen. Daher ist es wichtig, dass Kinder – sobald Ihnen als Eltern und/oder den Erzieherinnen Sprachfehler auffallen – getestet werden und gegebenenfalls eine Förderung erhalten. Ich bin gewiss nicht vorschnell mit dem Rat, ein Kind zu testen, aber in dem Zusammenhang habe ich zu oft gehört, dass Eltern mir sagen, sie hätten gedacht: „Das wächst sich schon aus.“ Das kann sein, aber wenn es sich nicht auswächst, kann es zu einem Problem führen. Daher lieber früher nachhaken, bei den Fachkräften in der Kita, da gibt es heute oft eine Sprachförderkraft, die die Kinder einschätzen kann, und bei den U-Untersuchungen oder wenn Sie ohnehin beim Kinderarzt sind. Was sie sonst tun können: Ihr Kind zum Sprechen ermuntern und geduldig zuhören. Reden Sie ruhig darüber, dass es schwer verständlich ist, Sie aber daran arbeiten, dass sich das ändert, und dass es sich davon nicht abhalten lassen sollte, seine Meinung zu sagen, etwas zu fragen und sich am Gespräch zu beteiligen. Und weisen Sie auch Großeltern und andere Bezugspersonen daraufhin, dass sie das Kind ausreden lassen und nicht nach der Hälfte des Wortes unterbrechen und das Wort vervollständigen. Solche Erlebnisse entmutigen und das schlägt sich dann auch in der Beteiligung am Unterricht in der Schule nieder.

Wie kann ich ein schüchternes Kind stärken?

Grundsätzlich gehört natürlich auch Schüchternheit zur Persönlichkeit und sollte akzeptiert werden. Meist geht sie ja einher damit, dass Kinder besonders intensiv nachdenken und beobachten. Das sind Eigenschaften, die positiv sind. Aber – deshalb stellt sich ja die Frage – bei aller Zurückhaltung müssen Kinder auch lernen, für sich einzustehen und vor anderen Menschen zu sprechen. Dass Schulkinder das nicht machen, ist oft einem Teufelskreis geschuldet – Eltern nehmen gerade ihren schüchternen Kindern oft viel ab, weil das schneller geht und sie sie beschützen möchten. Aber mit dieser vermeintlich guten Unterstützung wird auch verhindert, dass die Kinder Erfahrung damit sammeln, Wünsche außerhalb der Familie zu äußern, die eigene Meinung zu sagen oder sich auch gegen verbale Angriffe zu verteidigen. Wichtig ist daher, das Kind bei jeder möglichen Gelegenheit, selbst sprechen und tätig werden zu lassen. Ehrlich, ich erlebe das immer wieder, dass Eltern Fünf- oder Sechsjährigen abnehmen, an der Eistheke ihre Wunschsorte zu nennen. Das sind alles kleine Erfahrungen, die sich positiv oder negativ summieren. Nutzen Sie jede Gelegenheit, wenn Ihr Kind etwas möchte, dass es dies selbst äußert – den Großeltern gegenüber, der Nachbarin, dem Eisverkäufer, dem Bäcker, eine sehr gute Gelegenheit ist übrigens auch ein Flohmarkt. Gestehen Sie dem Kind ein kleines Budget zu, das es für Lieblingsdinge ausgeben darf. Da auf dem Flohmarkt die Preise selten verzeichnet sind, muss es zwangsläufig fragen, um die Spielfigur o. ä. zu bekommen. Leben lernt man nur durch leben, auch wenn das als Eltern manchmal schwer zu ertragen ist.