Jedem Kind ein Hobby, den Titel habe ich abgeleitet von dem Programm „Jedem Kind ein Instrument“, das ich aus dem Ruhrgebiet kenne, dass es aber auch in anderen Regionen gibt. Die Idee ist, dass jedes Kind im Laufe der Grundschulzeit sein Instrument finden und zumindest die Grundzüge erlernen kann. Dürfte ich entscheiden, würde ich das Projekt weiterfassen zu: Jedem Kind ein Hobby.

Sind Hobbys wirklich sinnvoll?

Auf den ersten Blick mag der Wunsch oder die Forderung, dass jedes Kind ein Hobby haben sollte, seltsam erscheinen. Und ich kenne auch keine Studie, die sich explizit mit der Bedeutung von Hobbys in der Kindheit beschäftigt. Aber ich habe in den letzten Jahrzehnten viele Kinder und Jugendliche begleitet und mich intensiv mit Prävention vor Gefährdungen aller Art beschäftigt. Dabei wurde immer wieder deutlich, dass Kinder und Jugendliche, die sich außerhalb der Schule für etwas begeistern, ein größeres Selbstvertrauen haben, dass sie sich besser organisieren können, dass sie souveräner mit neuen Situationen umgehen und vieles mehr. Und genau von solchen Kindern und Jugendlichen träumen wir doch.

Ein Beispiel aus dem Lernbegleiter-Alltag

Das wohl krasseste Beispiel dafür, dass ein Hobby indirekt Wunder bewirken kann, habe ich bei einem 14-jährigen Jungen erlebt. Ein sehr schlechter Schüler. was verschiedene Gründe hatte, unter anderem war er nicht zum Lernen zu motivieren. Wie immer habe ich mir seine Hobbys berichten lassen und es stellte sich heraus, dass er nicht nur gerne angelte, sondern das komplette Fachvokabular drauf hatte. Schon während des Gespräches hatte ich das Gefühl, es säße ein völlig anderer Junge vor mir. Er konnte mir sicher die Grundlagen des Angelns erklären und sein größter Traum war, Angeln zu testen, die Besprechungen aber auf Englisch geschrieben werden mussten. Das war unser Aufhänger für die Lernbegleitung und plötzlich konnte sich der Junge auch fürs Lernen insgesamt motivieren. Das ist natürlich ein besonderes Beispiel, aber ich könnte aus meiner Lernbegleitungs- und Lerntherapeutenpraxis viele solcher Fälle nennen.

Entdecken Sie die Interessen Ihres Kindes

Der Motivationsaspekt ist für mich ein wichtiger Grund dafür, dass jedes Kind ein Hobby haben sollte. Ebenso wichtig oder noch wichtiger ist aber das Selbstvertrauen und die Selbstständigkeit, die ein Kind im Rahmen seines Hobbys erwirbt. Vielleicht erinnern Sie sich an Ihre Kindheit, was plötzlich möglich war, wenn es um Ihr Hobby ging. Da konnte man sparen und argumentieren, hatte keine Scheu vor fremden Menschen und selbst lästige Briefe konnten plötzlich geschrieben werden. Ermöglichen Sie Ihrem Kind diese Erfahrungen, indem Sie früh beobachten, wofür es sich interessiert und was es wissen möchte. Das ist heute aufwendiger als früher, weil Medien die freie Zeit der Kinder bestimmen und Interessen beeinflussen. Lassen Sie es daher, wann immer sich die Möglichkeit bietet, ausprobieren, was ihm Spaß bereiten würde. Das kann eine Sportart sein oder ein Musikinstrument, eine kreative Tätigkeit oder ein besonderes Thema, das fesselt. Das Spektrum an Hobbys ist so groß, vielleicht fangen Sie damit an, Ihrem Kind Ihr Hobby nahezubringen oder ihm zu erzählen, welche Hobbys Sie als Kind hatten. Meine Leidenschaft war das Lesen, das Schreiben und das Sammeln, Briefmarken, Bierdeckel, Tragetaschen, Glanzbilder natürlich, die Original & Fälschung aus der Fernsehzeitschrift … – vor mir war wenig sicher und ich war immer beschäftigt 🙂 Und welche Hobbys haben Sie mit Ihrem Kind entdeckt?