Für viele ist Kreativität so etwas wie Malen, Basteln oder Handarbeiten und allenfalls für die Freizeit wichtig. Dass Kreativität eine wichtige Voraussetzung für das Lernen ist, ahnen die wenigsten. Kreativität bedeutet, sich von einem vorgegebenen (Denk-)Weg zu lösen und sich vorzustellen, welche anderen Möglichkeiten es gibt. Genau das ist es, was in der Schule heute verlangt wird. Nicht mehr Päckchen-Rechnen oder Abschreiben, sondern Grundrechenarten auf verschiedene Aufgaben anwenden und Texte schreiben oder analysieren.

Vorstellungskraft als wichtige Lernvoraussetzung

Geschichten in der Kiste: selbst gebastelte Guckkästen

Geschichten in der Kiste: selbst gebastelte Guckkästen

Kreativität setzt auf die Vorstellungskraft, die Fähigkeit, sich etwas in Gedanken auszumalen, sich ein Bild zu machen – zu einem Wort, zu einer Zahl, zu einer Textaufgabe, zu einer Geschichte. Je besser ein Kind sich neue Dinge selbstständig vorstellen kann, umso besser wird es in der Schule zurechtkommen – und zwar in allen Fächern.

Um diese Vorstellungskraft für das Lernen zu aktivieren, benötigen manche Kinder Hilfe. Fordern Sie Ihr Kind daher u. U. auf, sich die Geschichte, das Wort, die Aufgabe im „Kopfkino“ vorzustellen. Manche Kinder haben die feste Überzeugung, alles was mit Schule zu tun hat, kommt von außen und hat nichts mit ihren eigenen Gedanken zu tun. Sie suchen schematische Lösungen und scheitern oftmals an dieser Einstellung.

Kreativität ist angeboren

Letztlich bringt jedes Kind die Fähigkeit, kreativ zu denken mit. Denn sie ist nötig, um sich die Welt anzueignen. Schließlich kennen Kinder anfangs noch keine geraden Wege, wenn sie einen Hund kennen und eine Katze zum ersten Mal sehen, nennen sie die Katze „Hund“. Sie verbinden das Bild der Katze (läuft auf vier Beinen, hat einen Kopf und einen Schwanz) mit dem Bild von dem Hund (läuft ebenfalls auf vier Beinen, hat auch einen Kopf und einen Schwanz).

Kreativität fördern

Kreativität

Eine witzige Idee: Farbmuster ermurmeln

Wichtig ist also vor allem, das kreative Denken zuzulassen. Zusätzlich können Sie es aber mit Fragen und Denkanregungen fördern. Ermuntern Sie Ihr Kind z. B., wenn es sich beim Spaziergang Gedanken über die Bewohner eines besonders seltsamen oder schönen Hauses macht. Spielen Sie den „Advocatus Diaboli“ und fragen Sie nach: „Aha, in dem Haus könnte eine Hexe wohnen, na, ich könnte mir vorstellen, dass dort der Osterhase, ein Maler…. lebt.“ Nutzen Sie Spaziergänge, um im wahrsten Sinne des Wortes neue Wege zu beschreiten. Lassen Sie Ihr Kind entscheiden, welche Abzweigung Sie nehmen und lassen Sie sich beschreiben, was es am Ende des Weges erwartet. Aber natürlich können auch alle Experimente mit Farben, Materialien, bei einem Besuch in einer ersten Klasse habe ich tolle Möglichkeiten erlebt.

Mit Kindheitserlebnissen die Kreativität anregen

Nicht nur draußen können Sie Kreativität anregen, alle Aufgaben, Spiele und Übungen, in denen Ihr Kind sich etwas vorstellen muss, schulen die Kreativität, das beginnt schon beim Bauen mit Bausteinen ohne Vorlage, bei Rollenspielen mit Puppen und Plüschtieren, beim Vorlesen und Erzählen, berichten Sie Ihrem Kind doch einmal von den verrücktesten Erlebnissen aus Ihrer Kindheit oder auch mir, ich liebe verrückte Kindheitserinnerungen. Eine meiner ersten Erinnerungen passt sogar zum Thema: Mein Vater forderte uns beim Sonntagsspaziergang immer auf, nach abgebrochenen Zweigen oder Ästen zu suchen, die wie Tiere oder Gegenstände aussahen. Anschließend haben wir unsere Fundstücke zu Hause gereinigt und lackiert. Ich muss direkt im Keller meines Elternhauses nachschauen, ob meine Tiere noch existieren 🙂