Wenn Sie Verwandte in einem anderen Bundesland haben oder einmal von einem Bundesland in ein anderes gezogen sind, wissen Sie, dass die Schulsysteme mitunter sehr unterschiedlich sind. Damit alle Grundschüler dennoch etwa das gleiche lernen, haben die Schulminister sich auf gemeinsame „Empfehlungen zur Arbeit in der Grundschule“ geeinigt. Die Minister treffen sich in der „Kultusministerkonferenz“ (KMK), dort haben sie erstmals 1970 über die Empfehlungen diskutiert und sie am 11. Juni 2015 aktualisiert. Diese Fassung ist auf der Seite der Kultusministerkonferenz einzusehen. Ich habe die wichtigsten Inhalte für Sie zusammengefasst.

Grundschule als Lern- und Lebensort für alle Kinder

Die Grundschule ist ein Spiegel der Gesellschaft, was sich in der Zusammensetzung der Schulkinder widerspiegelt bzw. widerspiegeln sollte. So lernen Kinder „eine Kultur der Wertschätzung, der Rücksichtnahme, der Toleranz und des respektvollen Miteinanders zu gestalten und zu leben“. Diese Vielfalt zeigt sich auch in der Gestaltung von Lernprozessen, die zum einen die Fähigkeiten berücksichtigen, die Kinder mitbringen, und ihnen helfen sollen, ihre „Lernfreude, Erfolgszuversicht und Leistungsmotivation zu bewahren und zu entwickeln“. Als Lebensort erfahren die Kinder hier miteinander umzugehen und erleben erste Formen der Beteiligung an einer Gesellschaft durch „vielfältige aktive Beteiligungs- und Mitwirkungsformen auf Klassen- und Schulebene“ – von der Klassensprecherwahl bis zur Mitarbeit an einer Schülerzeitung oder einem anderen Schülermedium.

Grundschule als Ort grundlegender Bildung

Die Grundschule ist dennoch vor allem ein Ort, an dem Kinder systematisch grundlegende Fertigkeiten lernen und sich Basiswissen aneignen. Um dies optimal zu gewährleisten, ist eine Mischung aus „gesteuerten Bildungsprozessen und eigenaktiven Konstruktionsprozessen von Kindern“ wichtig, sprich: Der Unterricht, bei dem der Lehrer vorne steht und doziert, ist nur noch ein Teil des Unterrichts, Kinder sollen durch eigenes Handeln Fähigkeiten üben und sich Wissen aneignen. Die Aufgabe der Lehrkräfte ist, die Kinder zu fördern, aber auch zu fordern, ihren Voraussetzungen entsprechend, denn „Kinder wollen lernen und etwas leisten“. „Individualisierung und Differenzierung“ sind denn auch der Kern der Schulpädagogik heute, jedes Kind sollte individuell angeleitet werden und bei der Vermittlung muss auf die Unterschiede der Kinder geachtet werden. Eine ziemliche Herausforderung für die Lehrer, bei der sie das Verständnis der Eltern benötigen. Inhalte der Grundschulbildung sind:

  • Sprache beherrschen und einsetzen
  • Lesen und Schreiben lernen
  • Verfassen eigener, verständlicher Texte
  • Druckschrift und verbundene Schrift schreiben und eine eigene Handschrift entwickeln
  • Sinnverstehend lesen
  • Zahlen und Rechenoperationen beherrschen
  • Raum und Form, Muster und Strukturen (er)kennen
  • Größen und Daten messen und auswerten
  • Verständnis für nachhaltige Entwicklung und Gesundheit aufbauen
  • Motivation, Sprachen zu lernen, aufbauen
  • Zugang zu künstlerischem Handeln und Verständnis entwickeln
  • Technische und handwerkliche Zusammenhänge verstehen
  • Formen des Musizierens, Bewegens und Tanzens kennen lernen
  • Wertebewusstsein und Werteorientierung
  • Achtung und Toleranz entwickeln
  • Verständnis für verschiedene Kulturen aufbauen
  • Naturwissenschaftliche Fragenstellungen bearbeiten
  • Mit Medien sachgerecht umgehen
  • Sich im Straßenverkehr als Fußgänger und Radfahrer zurechtfinden

Grundschule als Ort qualitätsvoller Bildungsarbeit

Lehrerinnen und Lehrer der Grundschule erhalten eine Aus- und Weiterbildung, die sie befähigt, die Bildungsanforderungen zu erfüllen und den aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Sie lernen, Unterricht so zu gestalten, dass der Lernstoff für jedes Kind verständlich ist und jedes Kind seinen Voraussetzungen entsprechend lernen kann. Sie werden zudem befähigt, aufgrund einer pädagogischen Diagnostik Förderempfehlungen zu erstellen und Eltern dahingehend zu beraten, sowie die Leistungen der Kinder zu beurteilen und eigene Beurteilungsmaßstäbe zu entwickeln.

Grundschule als Teil des durchgängigen Bildungssystems

Während früher Kindergarten, Grundschule und weiterführende Schule ohne Bezug zu den jeweiligen Lernzielen arbeiteten, ist das Bildungssystem heute stärker miteinander verzahnt. Das bedeutet für die Grundschule, dass sie sowohl mit der Kindertageseinrichtung kooperiert und den Übergang der angehenden Schulkinder begleitet, als auch eine enge Vernetzung mit den weiterführenden Schulen.

Grundschule im Dialog

Die Grundschule und ihre Lehrkräfte werden heute als Teil eines Gesamtsystems gesehen, in dem man sich austauscht und miteinander nach Wegen sucht, Kinder optimal zu begleiten. Das geschieht zum einen dadurch, dass sich Eltern und Schule stärker als „Bildungs- und Erziehungspartner“ sehen, die sich zum Wohl des Kindes wertschätzen und unterstützen. Aber auch mit anderen Institutionen aus der Lebenswelt der Kinder und dem Sozialraum erfolgt eine stärkere Vernetzung. Grundschule „Ist ein Akteur in Stadtteil und Kommune“, das zeigt sich zum Beispiel in Beziehungen zu Vereinen, Bibliotheken, Museen, Galerien, aber auch Institutionen wie Polizei oder Gesundheitsämtern.

Diese Wünsche und Empfehlungen werden in den Bundesländern konkretisiert, sobald ich Zeit finde, werde ich mir diese Umsetzung genau ansehen. Bis dahin sammle ich aber gerne schon Ihre Erfahrungen, Papier ist ja bekanntlich geduldig J

Noch einmal der Link: „Empfehlungen zur Arbeit in der Grundschule“ (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 02.07.1970 i. d. F. vom 11.06.2015)