In einer Antwort zu unserem Start-Gewinnspiel tauchte auf, dass ein Kind sich schnell langweilt. Das ist ein schönes Thema, denn ein Kind muss auch mit Langeweile umgehen können.

Was ist eigentlich Langeweile?

lingen_ebbert_sf-langeweile2Langeweile ist das Gefühl, lange Zeit ohne Anregung oder Input zu haben. Es kann auftreten, wenn vermeintlich nichts, das für das Kind interessant ist, geboten wird, auch wenn zum Beispiel Schulstoff bereits bekannt ist. Wie jemand – ob Kind oder Erwachsener – damit umgeht, ist unterschiedlich. Ich gebe zu, dass ich Langeweile nicht kenne. Schon als Kind habe ich mir immer Beschäftigung gesucht und wenn ich mir eine Geschichte zu dem einzige verfügbaren Gegenstand ausgedacht habe. (Ja, deshalb bin ich wohl auch Autorin geworden 🙂 ) Aber ich erlebe natürlich täglich in der Arbeit mit Kindern, dass ihnen die Zeit lang wird, sie nicht wissen, wie sie sich beschäftigen sollen. Vielleicht fällt Kindern das heute eher auf als mir früher, weil sie es gewohnt sind, dass immer etwas los ist. Es läuft Musik, der Fernseher flimmert, die Kinder sind zwischen Kita und Elternhaus oder Zweitbetreuung oder Hobby unterwegs – häufig im Auto, wo sich Ablenkungen selten zwangsläufig ergeben. Wer ab dem ersten Lebenstag erlebt, dass immer Action ist, für den ist es ungewohnt, wenn diese plötzlich nicht da ist. Das geht vielen Erwachsenen im Urlaub doch ähnlich oder denken Sie an die Rentner, die nach dem Eintritt in den Ruhestand plötzlich in ein Loch fallen, weil sie nicht mehr von außen mit Beschäftigung versorgt werden.

Langeweile aushalten können

Das klingt seltsam, aber es ist wirklich wichtig, dass Kinder lernen, Langeweile, also lange, nicht fremdbestimmte Zeit, aushalten können. Das genau ist die Zeit, in der Ideen kommen, in der sich Interessen bilden, in der Wahrnehmungen sortiert werden. Wer es gewohnt ist, diese Zeiten mit Gedanken oder Kritzeleien, Schreiben oder Falten, in sich versinken oder Wahrnehmen zu verbringen, der hat nie wieder Langeweile. Sobald der Kopf ein paar Minuten frei ist, sieht er sich um, entdeckt Kleinigkeiten und denkt weiter daran herum. Das gilt für lange Autofahrten ebenso wie für Schulunterricht zu einem Thema, das bereits bekannt ist.

Langeweile üben

lingen_ebbert_sf-langeweile3🙂 Natürlich sollen Sie sich nun nicht einmal in der Woche mit Ihrem Kind hinsetzen und Langeweile trainieren. 🙂 Aber fordern Sie Ihr Kind auf, sich öfter mal selbst zu beschäftigen, gerade dann, wenn es klagt: „Ich habe Langeweile.“ Wir Erwachsenen neigen dazu, den Kindern in solchen Momenten schnell wieder eine Anregung zu geben oder gar Materialien herbeizuschaffen. Damit nehmen wir den Kindern die Chance, ihren eigenen Weg zu finden. Sorgen Sie dafür, dass immer Papier und Stifte griffbereit sind, damit lässt sich soooo viel machen. Versuchen Sie aber wirklich, sich zurückzuhalten mit konkreten Aufgaben. Lassen Sie Ihrem Kind freie Hand und gehen Sie allenfalls darauf ein, wenn es mit einer völlig neuen Spielidee kommt, für die es nun mal einen Mitspieler braucht. Dann hat es sich ja wenigstens Gedanken gemacht.