Ein Thema, das sich durch die ganze Schulzeit ziehen wird, ist die Lernmotivation. Und darauf bezog sich auch die erste der Fragen aus unserem Gewinnspiel, die ich nach und nach beantworten werde.

Kinder lernen vom ersten Lebenstag an

Hier muss ich etwas ausholen, weil mir das wirklich sehr wichtig ist und wir das oft vergessen. Kinder lernen vom ersten Lebenstag an – ohne dass wir sie extra motivieren, auch wenn uns das wie ein Selbstläufer erscheint, ist diese Lernen doch immer eine Reaktion auf die Umwelt. Kinder nehmen etwas wahr und wollen wissen, was es ist. Irgendwann versuchen sie dann durch Lächeln oder ungelenke Bewegungen Reaktionen zu erzeugen. Schon hier setzen erste Lernprozesse ein. Entscheidend dafür, ob die Neugier und Lernbereitschaft erhalten bleibt, ist die Reaktion des Umfeldes – geht es darauf ein, fragt es nach, lässt es sich sogar auf Experimente ein, bleibt bei dem Kind das Gefühl erhalten, dass es Spaß macht, die Welt zu erkunden.

Lernmotivation von innen heraus

Sobald das Kind dann in der Lage ist, vom Arm der Eltern auf Gegenstände zu zeigen, beginnt es, die Welt bewusst kennenzulernen. Ganz aus sich heraus, ohne Lernmotivation von außen. Wie es von alleine anfängt zu krabbeln, dabei im Wohnzimmer die Blumenerde zu probieren und und und. Je offener Eltern auf die Neugier eingehen, umso mehr kann sie sich ausprägen. Und letztlich ist es genau das, was Kinder benötigen, wenn sie in die Schule kommen – ganz viel Neugier darauf, die Fähigkeiten kennen und anwenden zu lernen, die sie bei anderen sehen. Die meisten Kinder bringen diese Neugier mit und bei manchen ist sie eingeschlafen, nenne ich es mal. Das kann viele Gründe haben, ich habe viele Kinder erlebt, die durch häufige Ohrenkrankheiten zum Beispiel oft nicht gut hören konnten und dann irgendwann aufgehört haben zu fragen. Den Ursachen bei Ihrem Kind nachzuforschen, ist müßig. Wichtig ist vielmehr, diese Neugier wieder zu wecken.

Wie weckt man Lernmotivation?

Am leichtesten weckt man Lernmotivation, indem man Anlässe schafft, bei denen der Lernstoff benötigt wird – genau so lernen ja kleine Kinder krabbeln oder andere Dinge: Sie wollen etwas haben und probieren aus, wie sie es erreichen können. Deshalb wollen die meisten Kinder ja auch lesen lernen, damit sie nicht davon abhängig sind, dass andere ihnen erklären, was in dem Buch, der Fernsehzeitschrift oder im Internet steht – oder in dem Brief bzw. der E-Mail von Oma oder Oma. Ich habe meiner Patentochter zur Einschulung zum Beispiel das Abo einer Tierzeitschrift geschenkt und danach wollte sie natürlich lesen lernen. Und ich habe ihr häufig Postkarten geschrieben, die sie dann selbst beantworten wollte. Gerade am Schulanfang lernen die Kinder so grundlegende Fähigkeiten, dass man im Alltag leicht Dinge finden kann, wo sie sie anwenden können – im Supermarkt zählen, ob wirklich sechs Eier in der Verpackung sind und ausrechnen lassen, ob die sechs Eier für den Kuchen reichen, wenn man vier benötigt … Hier ist ein bisschen Kreativität gefragt, aber wir können ja vielleicht auch hier in den Kommentaren solche Beispiele sammeln.

Elternfrage: Was kann ich vorbereitend tun, um meinem Kind möglichst lange die Freude am Lernen zu erhalten?

Die Frage habe ich zu Teilen jetzt schon beantwortet, aber ein wichtiges Element fehlt – zum Lernerfolg gehören auch Misserfolge, Anstrengung und oft auch langweilige Wiederholungen. Je eher ein Kind das erlebt, umso leichter kann es damit in der Schule umgehen. Deshalb ist es wichtig, Kinder immer mal wieder darauf hinzuweisen, dass sie etwas gelernt haben, von dem sie anfangs dachten, sie schaffen das nie – Inliner fahren zum Beispiel oder auch Schwünge nachzuzeichnen, einen Papierflieger zu bauen … das alles geht auch nicht von einem Tag auf den anderen und so braucht auch Lernen in der Schule seine Zeit und ist manchmal langweilig. Genau aus diesem Grund würde ich übrigens unbedingt alle Schulhefte aufheben. Ich habe das erst kürzlich bei einer Zweitklässlerin erlebt, die so frustriert war, weil sie manche Buchstaben nicht richtig schön hinbekam. Ich hatte ein Aufgabenblatt aus dem ersten Schuljahr aufbewahrt und als sie das sah, war sie völlig überrascht, dass sie inzwischen viel lesbarer schreiben konnte. Das hat sie angespornt. Solche Lernerfolge lassen sich auch gut in dem Schulstart-Heft festhalten, das ich in einem Beitrag vorgestellt habe, da sind sie dokumentiert und in Frustphasen kann das Kind nachschlagen.