Ich muss gestehen, als ich studierte, habe ich den Begriff Phonologische Bewusstheit nie gehört. Er ist mir zum ersten Mal vor gut zehn Jahren in meiner Ausbildung zur Lerntherapeutin begegnet. Inzwischen geht er mir flüssig über die Lippen, da sieht man, dass man immer noch Neues lernen kann 🙂

Phonologische Bewusstheit

Vereinfacht gesagt beschreibt der Begriff Phonologische Bewusstheit die Fähigkeit, sich der Besonderheiten in der Sprache bewusst zu werden, diese zu erkennen und auch gezielt einzusetzen. Für mich am deutlichsten wird das bei den Reimen, den Wörtern, die gleich klingen bis auf den ersten Laut oder die ersten Laute: Haus, Maus, Laus, raus. Wer dieses Prinzip erkennt, verfügt über Phonologische Bewusstheit. Und da wird auch klar, weshalb sie im Zusammenhang mit den Vorläuferfähigkeiten für das richtige Schreiben in Verbindung steht: Wer „Haus“ schreiben kann und das Reimprinzip kennt, der kann auch Maus, Laus, raus schreiben, ohne groß nachzudenken. Zur Phonologischen Bewusstheit gehört aber auch, Laute zu erkennen, was ich in dem Beitrag „Buchstaben, Laute oder was?“ ausführlich beschrieben habe und das Erkennen von Silben, die die Grundlage für den Rhythmus der Sprache schaffen.

Reime erkennen und bilden

In dem Beispiel wurde es schon deutlich: Wer reimen kann, tut sich beim Schreiben leichter. Und Kinder lieben Reime. Ich erinnere mich an einen Nachmittag mit meinem Patensohn, an dem wir nichts anderes gemacht haben als Unsinns-Wörter zu reimen. Er hat mich dann immer gefragt, was die Wörter bedeuten und wir haben gemeinsam Bedeutungen erfunden. Pippi Langstrumpf und der Spunk lassen grüßen J Reime lernt ein Kind schon früh durch Spiele wie „Hoppe Hoppe Reiter“ oder später durch (Kinder)Lieder aller Art, aber natürlich auch beim Anhören von Kindergedichten, was ja fast ein bisschen aus der Mode gekommen ist. Ich habe mal im Netz gestöbert und einige Seiten mit witzigen Kindergedichten gefunden:

Wenn ihr noch Seiten mit Kindergedichten kennt, auf denen man nicht ewig suchen muss :-(, postet die gerne ins Kommentarfeld.

Silben erkennen

Die Wörter der deutschen Sprache sind nicht nur in Buchstaben, sondern auch in Silben gegliedert. Auch die Fähigkeit, die Trennung der Silben zu erkennen, gehört zur Phonologischen Bewusstheit. Keine Sorge, Ihr Kind soll noch nicht Wörter mit Trennungsstrich schreiben können 🙂 Aber man kann den Wörtern anhören, wo eine Silbe anfängt und endet, wenn man sie spricht. Und die meisten Kinder können spätestens, wenn sie in die Schule kommen, meist schon früher, Silben klatschen. Mein Lieblingsspiel diesbezüglich war immer „Ein Hut, ein Stock, ein Regenschirm“, erst vor wenigen Wochen sah ich eine Mädchengruppe durch die Stadt gehen und im (Silben)Takt dazu stampfen. Sie haben Re-gen-schirm automatisch richtig gesprochen. Zu Hause können Sie diese Fähigkeit mit einem schönen Spiel fördern: Silbenlauf. Sie können das Spiel kaufen, es ist von Haba oder Sie können es fix selbst herstellen mit einem Stapel ausgedruckter Urlaubsfotos und einem Laufspielbrett wie Mensch-ärgere-dich-nicht oder Deutschlandreise. Jeder Spieler erhält eine Spielfigur, die Fotos oder Bildkarten werden verdeckt in die Mitte gelegt und das Ziel ist, als erster seine Figur bis zum Zielfeld zu bewegen. Statt zu würfeln wird eine Bildkarte gezogen und ein Wort dazu gesagt. Dabei werden die Silben geklatscht Re – klatsch – gen – klatsch – schirm – klatsch und man darf für jede Silbe ein Feld vorrücken.