Nun rückt der erste Schultag für Ihr Kind näher, Grund genug, sich Gedanken über ein paar Dinge zu machen – wie zum Beispiel die Stifthaltung. Ja, ich weiß, es gibt wichtigere Dinge: den Schulranzen, die Schultüte, die Sprachentwicklung natürlich und vieles mehr. Allerdings erlebe ich in meiner Arbeit immer wieder, dass Kinder schon in der ersten Klasse die Lust am Schreiben lernen verlieren, weil es sie so anstrengt, den Stift zu führen. Versuchen Sie mal, den Stift wie die Kinder auf den drei Bildern ganz unten zu halten und so einen Satz oder eine halbe Seite zu schreiben. Die Hand verkrampft und irgendwann tut sie auch weh. Vor Weihnachten habe ich bei dem Besuch in einer Kita die Kinder beim Ausmalen fotografiert, an den Methoden sieht man, wie unterschiedlich die Kinder dabei vorgehen – Pfötchen-, Krampf- oder Faustgriff sind nur einige Beispiele.

Die richtige Stifthaltung

Was man hier nicht sieht: Das Kind ist schon in der zweiten Reihe beim Ausmalen, während die anderen Kinder teilweise nohd am ersten Waggon arbeiten. Die richtige Stifthaltung ist eben nicht so anstrengend.

Es gibt nur wenige Dinge, bei denen es aus meiner Sicht ein eindeutiges „Richtig“ oder „Falsch“ gibt. Und das ist bei der Stifthaltung. Ich weiß, dass wir Erwachsenen den Stift oft seltsam halten und nicht im Drei-Punkt-Griff. Wir haben uns daran gewöhnt und hatten vielleicht Glück, dass die Lehrer in den ersten Klassen nicht darauf geachtet haben oder haben ihn uns gar erst später angewöhnt. Gerade am Anfang der Schulzeit ist es sinnvoll, wenn ein Kind den Stift mit drei Fingern hält, dabei liegt der Stift in der Mulde zwischen Daumen und Zeigefinger auf dem vorderen Glied des Mittelfingers und wird mit Daumen und Zeigefinger gehalten und geführt. Diese Haltung ist für die Hand am wenigstens anstrengend. Trotzdem tut anfangs die Hand weh, wenn viel geschrieben wird, nach viel Laufen oder Schwimmen tun einem auch manchmal die Gelenke weh. Aber das legt sich nach einiger Zeit. Kinder dagegen, die weiter im Pfötchengriff (Halten des Stiftes mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger gleichzeitig), im Faustgriff (Stift wird mit der ganzen Faust gehalten) oder im Krampfgriff (Stift liegt auf den Fingern und wird mit dem Daumen geführt), spüren die Anstrengung immer wieder. Dazu ist die Schrift oft schwer lesbar und beim Schreiben kann das Kind teilweise nicht sehen, was es schreibt. Es lohnt sich also, jetzt damit zu beginnen, das Kind zu richtigen Stifthaltung zu ermuntern.

Stifthaltung kontrollieren und üben

Im ersten Schritt sollten Sie sich anschauen, wie Ihr Kind den Stift beim Malen und Zeichnen hält. Als kleinen Test können Sie gut eine Nachzeichen-Übung oder ein Labyrinth-Spiel nutzen, wie Sie sie im Download-Bereich finden. Wenn Sie das Gefühl haben, eine Korrektur wäre nötig, sprechen Sie Ihr Kind darauf an. Erklären Sie ihm, dass es fürs Schreiben wichtig ist, den Stift im Drei-Punkt-Griff zu halten. Natürlich wird es den Stift nicht ab sofort richtig führen, aber es ist sensibilisiert und Sie können – immer, wenn Sie gemeinsam in einer Lernhilfe arbeiten – daran anknüpfen. Die Umstellung muss ja nicht von heute auf morgen erfolgen, bis zum Tag der Einschulung ist noch Zeit. Und das ist unabhängig davon, ob Ihr Kind Rechts- oder Linkshänder ist.

Falsche Stifthaltung strengt an

Beispiele dafür, welche Stifthaltungen die Kinder anstrengen und ihnen unter Umständen die Freude am Schreiben lernen verderben:

 

Stifthaltung