Zu den wichtigsten Dingen, die Eltern einem Kind mit auf den Lebensweg und in die Schule geben können, ist Selbstvertrauen. Das ist das Gefühl, Herausforderungen zu schaffen, auch wenn sie scheinbar nicht zu bewältigen sind. Dieses Gefühl hilft auch uns Erwachsenen, unbekannte Situationen oder schwere Lebensaufgaben in Angriff zu nehmen. Die Grundlage dafür wird schon vom ersten Lebenstag an geschaffen.

Selbstvertrauen entsteht, wenn andere einem etwas zutrauen

Je häufiger ein Kind erlebt, dass ihm andere Menschen etwas zutrauen, umso größer wird das Vertrauen, das er in sich selbst hat. Deshalb ist es so wichtig, dass Kinder schon früh selbst etwas tun können. Wann immer sie etwas ausprobieren möchten, sollten Sie das tun. Natürlich kann das schief gehen, aber das Gefühl – meine Eltern haben mir das zugetraut – bleibt und motiviert für den neuen Versuch. Wir Erwachsenen neigen oft dazu, Kindern Aufgaben abzunehmen, weil wir meinen, wir könnten sie besser, perfekter oder schneller lösen. Da sollten wir unser Verhalten gelegentlich hinterfragen und das Kind einfach mal machen lassen. Oft ist das sogar weniger stressig, denn wenn ein Kind etwas selbst tun möchte und das nicht darf, reagiert es auch schon mal verärgert, wütend, enttäuscht und am Ende hat man mehr Arbeit damit, als hätte es die selbst gesuchte Aufgabe gelöst.

Selbstvertrauen stärken bei der Einschulung

Auch für Eltern ist die Einschulung ein Einschnitt in ihrem Leben. Sie müssen ihr Kind loslassen – vorher war es vielleicht auch in der Kita, aber da gab es keine staatliche Pflicht und eigentlich hätte das Kind auch in der Obhut der Eltern bleiben können. Ab dem ersten Schultag ist das anders und deshalb ist es wichtig, spätestens im Sommer vor der Einschulung, aber auch während der Schulzeit, das Selbstvertrauen des Kindes zu stärken. Übertragen Sie Ihrem Kind kleine Pflichten, lassen Sie es diese selbst aussuchen, wenn es mag, und zeigen Sie ihm, dass Sie ihm diese Aufgabe zutrauen. Das kann das regelmäßige Ausleeren der Altpapierkiste sein oder das Ausräumen des Besteckkorbs der Spülmaschine, das Sortieren der Wäsche oder das Reinigen des Käfigs. Welche Aufgabe Sie Ihrem Kind zutrauen, hängt vom Kind und Ihrem Alltag ab. Wichtig ist, dass Sie ihm mit der Übertragung der Aufgabe zeigen, dass Sie es für fähig halten, diese zu bewältigen und es später immer wieder dafür loben, dass es die Herausforderung bestanden hat.

Das „Ich-Kann-Buch“ Ihres Kindes

SelbstvertrauenNatürlich wird nicht immer alles klappen, was Ihr Kind sich vornimmt. Zu Hause nicht und in der Schule auch nicht. Auch solche Enttäuschungen und Misserfolge sind bedeutsam für die Entwicklung eines Kindes. Allerdings muss es lernen, dann auf das zu schauen, was es schon kann und geschafft hat. Da braucht es Ihre Unterstützung. Weisen Sie es darauf hin, dass es schon andere Aufgaben bewältigt hat. Das geht am besten, wenn diese Aufgaben und Entwicklungsschritte dokumentiert sind. Zum Beispiel in einem „Ich-kann-Buch“ oder mit einer Pinnwand, an der Fotos oder Ergebnisse bisheriger „Erfolge“ aufgehängt werden.

Besorgen Sie zusammen mit Ihrem Kind ein dickes Heft, am besten eine sog. Kladde. Lassen Sie Ihr Kind den Umschlag nach seinen Wünschen gestalten. In dieses Buch schreiben Sie nun – alleine oder gemeinsam mit Ihrem Kind – wenn es etwas besonders gut gemacht hat. Wenn Sie einen „Beweis“ dafür haben, z. B. ein gemaltes Bild oder ein Foto, können Sie das dazu kleben. Schreiben Sie auch auf, wenn Ihr Kind Ängste überwunden oder Fehler nicht mehr gemacht hat. Darauf können Sie zurückgreifen, wenn Ihr Kind einmal sehr unzufrieden mit sich ist.

Haben Sie Lust, uns an dem Ich-Kann-Buch- Ihres Kindes teilhaben zu lassen? Das wäre prima, das hilft sicher auch anderen, kleine Fortschritte und Erfolge bei ihrem Kind zu sehen. Aber bitte laden Sie keine Kinder-Fotos hoch, sondern Situationsbilder oder Ergebnisse. Vielen Dank, mir ist es wichtig, dass Kinder selbst entscheiden können, wenn Fotos von ihnen für die Ewigkeit ins Netz gestellt werden!