Kinder entwickeln sich unterschiedlich, sehr unterschiedlich – je nach Persönlichkeit, nach Umfeld und Lebensumständen, deshalb kann eine vorzeitige Einschulung sinnvoll sein. So wie es für einige Kinder sinnvoll sein kann, wenn sie ein Jahr später, als die Schulpflicht vorsieht, in die Schule kommen, so ist es für andere vielleicht richtig, wenn sie vor Erreichen der Schulpflicht eingeschult werden. Wie auch immer Sie sich entscheiden – wichtig ist, dass dabei Ihr Kind und sein Wohl im Mittelpunkt stehen.

Wann ist eine vorzeitige Einschulung sinnvoll?

Eine vorzeitige Einschulung kann durchaus sinnvoll sein, wenn ein Kind sich in Kindergarten und Elternhaus spürbar langweilt und geradezu dafür brennt, endlich in die Schule zu kommen. Diese Kinder fallen mir, wenn ich Familien berate, dadurch auf, dass sie sehr gut sprechen, dass sie erklären können, was sie warum tun und warum sie in die Schule möchten. Viele von ihnen schreiben schon lange ihren Namen, manche können lesen und schreiben und in der Regel sind sie aufgeschlossen und verständig. Wenn Sie Ihr Kind hier wiedererkennen, können Sie mit den Erzieherinnen über eine vorzeitige Einschulung sprechen. Vor allem dann, wenn Ihr Kind in einem anderen Bundesland wegen des späteren Stichtags schon eingeschult würde. Immerhin beträgt die Spanne zwischen den Stichtagen drei Monate. Ist Ihr Kind deutlich jünger, sollten Sie die vorzeitige Einschulung sehr genau überdenken. Ihr Kind wird immer das jüngste in der Klasse sein, wenn es dann noch zierlich und schüchtern ist, kann ihm ein weiteres Kindergartenjahr mehr bringen als die frühe Einschulung. Lieber suchen Sie mit den Pädagogen in der Kita nach Möglichkeiten, das Kind speziell zu fördern.

Zum Ablauf einer vorzeitigen Einschulung

Wie genau die vorzeitige Einschulung in Ihrem Wohnort geregelt ist, kann Ihnen nur das Schulamt oder auch die Schulleitung der Schule in Ihrem Umfeld sagen. Rechtlich ist geregelt, ab welchem Alter eine Einschulung überhaupt möglich ist. Da muss das Kind in allen Bundesländern mindestens fünf Jahre alt sein. Außerdem muss es den verpflichtenden Sprachtest, so es denn einen gibt in Ihrem Land, bestanden haben. Meist reicht ein formloser Antrag beim Schulamt oder der zuständigen Schule, um in den Verwaltungskreislauf für die angehenden Schulkinder aufgenommen zu werden. Wenn das Kind sehr jung ist, findet die schulärztliche Untersuchung vorher statt, ist das Kind nur wenige Monate jünger als der Stichtag, reicht meist der Antrag. Aber wie gesagt, wenn Sie darüber nachdenken, sprechen Sie unbedingt mit den Fachkräften in der Kita und mit der Schulleitung der Grundschule im Einzugsbereich.

Rechtliche Bedingungen

Baden-Württemberg: Eine vorzeitige Einschulung ist nach §74 Schulgesetz nach einem formlosen Antrag möglich, wenn das Kind in dem Schuljahr des Stichtages sechs Jahre alt wird. Die Entscheidung trifft die Schulleitung, die weitere Unterlagen wie das Ergebnis einer schulärztlichen Untersuchung anfordern kann.

Bayern: In Bayern gibt es keine Grenze nach unten, ab wann ein Kind vorzeitig eingeschult werden kann. Unterschiedlich ist lediglich das Verfahren. Kinder die zwischen dem 1.10. und dem 31.12. eines Jahres sechs Jahre alt werden, werden auf Antrag der Eltern schulpflichtig und eingeschult. Für jüngere Kinder ist ein Antrag mit einem Gutachten erforderlich. Die Entscheidung trifft die Schulleitung der zuständigen Schule, die sich aus dem Wohnort des Kindes ergibt.

Berlin: Kinder, die zwischen dem 1. Oktober und dem 31. März nach dem Stichtag sechs Jahre alt werden, können auf Antrag bei der zuständigen Grundschule vorzeitig eingeschult werden, sofern der Sprachtest keinen Förderbedarf ergeben hat.

Brandenburg: Kinder, die nach dem Stichtag bis zum Ende des Schuljahres sechs Jahre alt werden, können auf Antrag eingeschult werden. Anträgen für Kinder, die nach dem 1. Januar geboren sind, müssen Gutachten vorgelegt werden.

Bremen: Eine vorzeitige Einschulung ist für „Karenzkinder, die im Einschulungsjahr zwischen dem Stichtag und dem 31.12. sechs Jahre alt auf Antrag der Eltern und ohne Gutachten möglich. Für Kinder, die im Laufe des Schuljahres nach dem 1.1. sechs Jahre alt werden, kann ebenfalls ein Antrag gestellt werden, für die Entscheidung durch die Schulleitung sind Gutachten von Kita und schulärztlichem Dienst einzureichen.

Hamburg: Für Kinder, die nach dem 01.07. geboren sind, können Eltern einen Antrag auf vorzeitige Einschulung stellen.

Hessen: Kinder, die nach dem 30. Juni des Einschulungsjahres sechs Jahre alt werden, können auf Antrag der Eltern eingeschult werden. Die Entscheidung trifft die Schulleitung auf der Grundlage des schulärztlichen Gutachtens. Für Kinder, die im Einschulungsjahr nach dem 1. Januar sechs Jahre alt werden, wird u. U. zusätzlich ein Gutachten des schulpsychologischen Dienstes angefordert.

Mecklenburg-Vorpommern: Kinder, die nach dem Stichtag bis zum Stichtag des Folgejahres sechs Jahre alt werden, können auf Antrag der der Eltern eingeschult werden, sofern sie dafür die körperlichen, geistigen und verhaltensmäßigen Voraussetzungen mitbringen.

Niedersachsen: Für Kinder, die zum Stichtag für die Einschulung noch nicht schulpflichtig sind, können Eltern einen Antrag auf vorzeitige Einschulung stellen. Über den Antrag entscheidet die Schulleitung.

Nordrhein-Westfalen: Für alle Kinder, gleich welchen Alters, die nach dem Stichtag sechs Jahre alt werden, können nach einem formlosen Antrag der Eltern eingeschult werden. Die Entscheidung trifft die Schulleitung, die ggf. ein schulärztliches oder schulpsychologische Gutachten anfordert.

Rheinland-Pfalz: Kinder die nach dem Stichtag geboren sind können auf Antrag der Eltern von der Schulleitung zur Einschulung zugelassen werden.

Saarland: Eltern können für Kinder, die noch nicht schulpflichtig sind, beantragen, dass sie eingeschult werden. Die Entscheidung erfolgt durch die Schulleitung nach einem Beratungsgespräch mit den Eltern. Wird das Kind erst im folgenden Kalenderjahr sechs Jahre alt muss ein schulärztliches und schulpsychologisches Gutachten erstellt werden.

Sachsen: Für Kinder, die zwischen dem Stichtag und dem 30. September des Einschulungsjahres sechs Jahre alt werden, kann die Anmeldung direkt bei der Grundschule erfolgen. Für jüngere Kinder ist ein Antrag bis zum 15. März des laufenden Jahres erforderlich. Über die Einschulung entscheidet die Schulleitung nach Rücksprache mit den Fachkräften der Kita.

Sachsen-Anhalt: Kinder, die bis zum 30. Juni das fünfte Lebensjahr vollenden, können auf Antrag der Eltern eingeschult werden, sofern sie die für den Schulbesuch erforderlichen körperlichen und geistigen Voraussetzungen besitzen und in ihrem sozialen Verhalten ausreichend entwickelt sind.

Schleswig-Holstein: Für Kinder, die nach dem 30. Juni des Einschulungsjahres sechs Jahre alt werden, können Eltern bei der Schule einen Antrag auf vorzeitige Einschulung stellen.

Thüringen: Kinder, die am Stichtag noch nicht sechs Jahre alt sind, können auf Antrag der Eltern und mit Zustimmung der Schulleitung eingeschult werden.