Ja, auch Kinder haben Visionen und eine Vorstellung davon, was sie im Leben erreichen und tun möchten. Das Thema ist eines meiner Steckenpferde, ich sammle sogar Kindheitsträume und nicht nur solche von Jungen, die Feuerwehrmann werden möchten :-). Aber am Wochenende ist mir wieder klar geworden, welche Gedanken Kinder sich machen und ich fand, das wäre ein schönes Thema für diesen Blog. Zufällig bekam ich in der Warteschlange vor der Kasse ein Gespräch eines Vaters mit seiner Tochter über das Karnevalskostüm mit.

Wenn ich groß bin, werde ich Hexe

Das Mädchen, ich nenne sie mal Bibi :-), war etwa sechs Jahre alt. In der Abteilung mit den Karnevalskostümen im Drogeriemarkt um die Ecke erklärte Bibi ihrem Vater, dass sie unbedingt eine Hexenverkleidung haben wollte.
„Wenn ich groß bin, werde ich Hexe“, verkündete sie. „Da kann ich alles weg hexen, worüber du dich mit Mama streitest und alles her hexen, was ich gut finde. Dann muss ich nicht fragen.“
Der Vater hat super reagiert. Er hat nicht das Gespräch beendet und das erst beste Kostüm vom Kleiderständer gerissen, sondern nachgehakt: „Wie wirst du denn Hexe? Musst du da auf eine Spezialschule gehen oder jeden Tag trainieren?“
Klein-Bibi daraufhin: „Papa, das weiß ich doch noch nicht, aber ich kann doch Karneval schon mal üben.“
Als das Gespräch an diesem Punkt angelangt war, war ich leider in der Schlange an der Kasse vorgerückt und musste bezahlen. So habe ich nicht mitbekommen, wie es weitergeht.

Schon Kinder haben Lebensträume

Doch weshalb erzähle ich das. Das Beispiel zeigt, dass Kinder sich auch im Vorschulalter bereits Gedanken über ihr weiteres Leben machen. Sicher checken sie nicht bewusst ihr Umfeld daraufhin, was könnte ein guter Job sein und was nicht. Aber sie unterscheiden, was ihnen gefällt und nicht gefällt und sie spüren, ob sich jemand wohl fühlt mit dem, was er tut oder nicht. Daraus ergeben sich Vorstellungen, das eigene Leben könne genauso verlaufen. Deshalb unterhalte ich mich gerne mit Kindern gerade in der Zeit vor der Einschulung über ihre Ziele und Visionen. In der Zeit machen sie sich häufig selbst mehr Gedanken, weil ihnen klar ist, dass die Schule der Einstieg für vieles ist. Das gilt übrigens auch für die kleinen Jungs und Mädchen, die Fußballer oder Fußballerin werden möchten. Da sagte mir vor einiger Zeit ein Junge, es wäre wichtig, dass er trotzdem zur Schule gehe, damit er ausrechen könnte, wie viel er verdient und was er mit dem Geld machen könnte J

Ziele und Visionen als Motivationshelfer

Gerade jetzt vor Karneval, wo sich die Frage nach einem Kostüm stellt, ist eine gute Zeit, genauer hinzuhören und zu fragen, weshalb Ihr Kind diese oder jene Verkleidung wünscht. Natürlich weiß ich, dass viele sich nur an den Freunden orientieren oder an den aktuellen Medienfiguren. Aber manche Kinder machen sich eben mehr Gedanken und da wäre es doch schade, wenn diese untergingen. Denn diese Gedanken über die Zukunft können wertvolle Hilfen für die Motivation werden, wenn es in der Schule schwierig wird, wenn die Angst überwiegt oder Ihr Kind schlichtweg plötzlich keine Lust mehr auf Schule hat. Wenn sich einem Menschen – ob Kind oder Erwachsener – erschließt, wofür er etwas lernt und warum das wichtig ist, fällt das Lernen und Arbeiten deutlich leichter. Ich weise deshalb darauf hin, weil ich in meinen Gesprächen mit Eltern häufig erlebe, dass die Visionen und Ziele der Kinder abgetan werden nach dem Motto „Ich wollte auch Feuerwehrmann werden“. Sicher geht nicht jeder Wunsch in Erfüllung, aber Wünsche beruhen auf einem Kern, der sich in verschiedener Weise umsetzen lässt. Und wenn Sie mal in sich hineinhören, was Sie immer gerne werden oder erreichen wollen und über den Kern dessen nachdenken, stellen Sie vielleicht fest, dass Ihr Leben gar nicht so weit von Ihrer Kindheitsvision entfernt ist. Und wenn Sie eine besondere Geschichte haben, schreiben Sie sie mir, ich sammle weiter Kindheitsträume.