Vor Jahren hatte ich ein zauberhaftes Lernspiel, ich glaube, es hieß sogar Wortschatz. Das war ein Angelspiel, bei dem man statt Fischen Wörter angeln musste. Die Kinder hatten immer viel Freude daran. Und ich habe ihnen, ergänzend zu den Wörtern, die in dem gekauften Spiel vorgegeben waren, einige ungewöhnliche Wörter untergejubelt. Ich finde, zu den tollsten Dingen, die Eltern ihren Kindern mit auf den Lebensweg geben können, gehört ein Schatz an Wörtern.

Wörter öffnen die Welt

Ein großer Wortschatz birgt so viele Möglichkeiten – man kann Geschichten in Bilder verwandeln, Gespräche belauschen und verstehen, über Witze lachen, eigene Stories erfinden und vor allem kann man sagen, wie man sich fühlt und was man sich wünscht. Je genauer ein Kind etwas beschreiben und bezeichnen kann, umso leichter fällt ihm der Weg in die Welt.

Ein Wortschatz entsteht durch Wörter

Ja, so einfach ist das: Ein Wortschatz entsteht dadurch, dass ein Kind Wörter hört, möglichst viele und verschiedene Wörter, am besten so, dass klar ist, was mit dem Wort gemeint ist. Je mehr Eltern, Geschwister oder andere Erwachsene mit dem Kind sprechen, umso größer wird sein Schatz. Natürlich versteht ein Kind nicht jedes Wort sofort, aber es speichert das Wort ab und irgendwann weiß es plötzlich, welchen Sinn es hat. Vielleicht, weil es das Wort in einem eindeutig erkennbaren Zusammenhang hört oder weil es ihm jemand erklärt. Deshalb ist es auch nicht schlimm, wenn in einer Vorlesegeschichte fremde Begriffe vorkommen. Falls nötig, können Sie sie erklären, aber oft ist mithilfe der Bilder der Inhalt auch so verständlich. Wenn es den Erzählfluss nicht zu sehr unterbricht, können Sie die Wörter natürlich auch schnell erklären.

Erlebnisse schaffen Schatzwörter

Vorlesen ist eine wichtige Grundlage für einen großen Wortschatz. Allerdings reicht es nicht, auf der Couch Platz zu nehmen, um einen echten Schatz zu begründen. Je mehr unterschiedliche Orte ein Kind kennt, umso mehr wächst sein Wortschatz. In der Wohnung taucht eben selten ein Einkaufswagen oder ein Brontosaurus Rex auf. Die Innenstadt, der Wald, andere Städte, das Museum, der Zoo, der Zirkus und alles, was man besuchen kann, schafft Gelegenheiten, neue Wörter zu erleben und zu lernen.

Der Wortschatz und die Einschulung

Spätestens bei der Einschulung ist es wichtig, dass Ihr Kind einen Grundwortschatz beherrscht und die gängigen Begriffe für Alltagsgegenstände, für Familienmitglieder, für die Umgebung und für Fahrzeuge u. ä. beherrscht – in der Hochsprache. Darauf weise ich gerne hin, weil ich selbst als Kind in einer Mischung aus Hochdeutsch und Plattdeutsch aufgewachsen bin. Es hat lange gedauert, bis ich von manchen Dingen, die nicht so oft verwendet werden, das hochdeutsche Wort kannte. Sehr lange wusste ich zum Beispiel nicht, wie ich das bei uns übliche „Schleef“ übersetzen sollte. Aber das verstanden die Lehrer, die nur Hochdeutsch sprachen, nicht. Ich glaube, ich hatte das Abitur schon in der Tasche, als ich realisiert habe, dass damit eine „Schöpfkelle“ gemeint ist. 🙂 Also prüfen Sie mal, ob sich in Ihrer Familie auch solche Dialektbegriffe eingeschlichen haben. Schließlich soll Ihr Kind so schreiben, dass es alle verstehen und vor allem, soll es durchschauen, was eine Lehrerin oder ein Lehrer sagt.

Den Wortschatz erweitern

Ich bin keine Freundin von speziellen Förderprogrammen in den Wochen vor der Einschulung. Gut wäre, wenn Eltern den Blick etwas genauer auf manche Fähigkeiten legen würden. Es geht mir also nicht darum, dass Sie mit Ihrem Kind nun täglich fünf oder zehn Wörter üben sollen. Aber es schadet nicht, wenn Sie gezielter darauf achten, auch anspruchsvollere Wörter zu verwenden oder gemeinsam in einem Vorschulwörterbuch (z. B. „Das Kindergarten-Wörterbuch“ von Duden oder „Mein Bild-Wörterbuch Vorschule“ von Tessloff) blättern und sich von Ihrem Kind erklären lassen, was dieses oder jenes Wort bedeutet. Und natürlich habe ich nichts dagegen, wenn Sie mit Ihrem Kind in dem „Sprachwimmelbuch mit Bibi Blocksberg“ stöbern, zu dem ich vor einigen Jahren die Texte geliefert habe. Oder in einer der anderen Lernhilfen oder Wörterbüchern schmökern. Gab es nicht sogar einmal ein Leo Lausemaus Lernheft speziell mit „Wortschatztraining“? Dafür habe ich mich damals durch die Grundwortschätze gearbeitet, die manche Ministerien für die Grundschule festgelegt haben. Wenn Sie das interessiert, unten finden Sie die Links zu den Grundwortschätzen, die ich verwendet habe. Viel Spaß beim Aufbau eines Wortschatzes mit Ihrem Kind 🙂