Alle Bundesländer bieten Eltern und auch Schulen die Möglichkeit der Zurückstellung vom Schulbesuch, das bedeutet: Schulpflichtige Kinder werden erst ein Jahr später eingeschult. Als Ausnahmen sehen alle Länder Krankheiten oder Entwicklungsverzögerungen an, die in einem Jahr aufgeholt werden können. Prinzipiell wird eher versucht, durch eine sonderpädagogische Förderung in der Schule alle Kinder in das Schulsystem einzubinden und individuell zu fördern.

Zurückstellung vom Schulbesuch

Wenn Sie darüber nachdenken, Ihr Kind von der Einschulung zurückzustellen, sprechen Sie möglichst bald mit den Fachkräften der Kita und vereinbaren Sie einen Beratungstermin bei der Leitung der für Sie zuständigen Schule. Die Zurückstellung ist wirklich nur für besondere Fälle vorgesehen, darunter fallen selten schüchterne oder sozial auffällige Kinder, sondern Kinder mit Krankheiten und deutlichen Entwicklungsrückständen. Bedenken Sie bei der Entscheidung auch, dass Ihr Kind sich vielleicht schon mit den Freunden auf den neuen Lebensabschnitt freut und enttäuscht ist, wenn es zurückbleibt. Eine Zurückstellung sollte in jedem Fall noch stärker als die vorzeitige Einschulung bedacht werden.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Baden-Württemberg: Rückstellung ist möglich auf Antrag der annehmenden Schule oder der Eltern, die Entscheidung trifft die Schulleitung auf der Grundlage eines Gutachtes vom Gesundheitsamt. Sollte die Rückstellung im Schuljahr erfolgen, wird das Jahr nicht auf die Zeit der Schulpflicht angerechnet.

Bayern: Eine Zurückstellung ist für ein Jahr möglich von Seiten der Schule und der Eltern, wobei die Zurückstellung vor dem Schulstart erfolgen sollte und maximal bis zum 30. November des Schuljahres möglich ist.

Berlin: Hier ist eine Zurückstellung vor der Einschulung möglich, sie muss während der Anmeldefrist beantragt werden. Die Entscheidung trifft die Schulaufsicht und berücksichtigt dabei Gutachten der Kita und des schulärztlichen Dienstes.

Brandenburg: Eine Zurückstellung für ein Jahr ist möglich, die Entscheidung trifft die Schulleitung, spezielle Gutachten sind dafür nicht erforderlich.

Bremen: Die Entscheidung über eine Zurückstellung trifft die Schulaufsicht auf der Grundlage des schulärztlichen Gutachtens.

Hamburg: Eine Zurückstellung schulpflichtiger Kinder vom Schulbesuch ist für ein Jahr auf Antrag von Eltern oder Schule möglich. Die Kinder kommen in eine Vorschulklasse oder können in besonderen Ausnahmefällen in der Kita bleiben.

Hessen: Kinder können auf Antrag von Eltern, Schule oder Schularzt für ein Jahr vom Schulbesuch zurückgestellt werden, sie besuchen dann eine Vorklasse.

Mecklenburg-Vorpommern: Auf Wunsch und Antrag der Eltern und mit Zustimmung der Schulleitung kann die Einschulung um ein Jahr zurückgestellt werden. Bei der Entscheidung werden Gutachten des schulpsychologischen Dienstes und der schulärztlichen Untersuchung berücksichtigt.

Niedersachsen: Die Schulleitung kann entscheiden, ob ein Kind für ein Jahr vom Schulbesuch zurückgestellt wird, wenn der Eindruck entsteht, es ist dieser Herausforderung nicht gewachsen.

Nordrhein-Westfalen: Das Verschieben der Einschulung für ein Jahr ist in besonderen Fällen möglich, ggf. fordert die Schulleitung für ihre Entscheidung ein schulärztliches oder schulpsychologisches Gutachten an.

Rheinland-Pfalz: Eine Zurückstellung für ein Jahr vom Schulbesuch kann bei der Schulleitung beantragt werden, allerdings nur, wenn ein wichtiger Grund, zum Beispiel gesundheitlicher Art, vorliegt.

Saarland: Der Schulleiter kann ein Kind für ein Jahr vom Schulbesuch zurückstellen, wenn dieses aus medizinischen Gründen nötig scheint.

Sachsen: Eine Zurückstellung ist in Ausnahmefällen möglich, zuständig ist die Grundschule, bei der auch die Schulanmeldung erfolgen muss.

Sachsen-Anhalt: In Sachsen-Anhalt werden alle Kinder in die Schuleingangsstufe aufgenommen, eine Zurückstellung ist nur in besonderen Ausnahmefällen möglich.

Schleswig-Holstein: Eine Rückstellung ist nur im Einzelfall möglich, bei zu früh geborenen Kindern kann da der ursprünglich errechnete Geburtstermin herangezogen werden.

Thüringen: Eine Zurückstellung kann auf Antrag der Eltern in Ausnahmefällen und mit entsprechendem schulärztlichen Gutachten durch die Schulleitung genehmigt werden.