Denken wir an Zwillinge, fällt vielen als erstes „Das doppelte Lottchen“ oder „Hanni und Nanni“ ein. In Wahrheit ist natürlich auch hier alles anders und gerade Eltern von Zwillingen stehen immer wieder vor der Entscheidung, wie viel Miteinander ist gut und wann beeinträchtigt es vielleicht die Entwicklung des einen oder anderen Geschwisterpaars. Diese Frage taucht auch bei der Einschulung sofort wieder auf. Gerne würde ich die Frage, die als erste hier im Blog gestellt würde, mit einem klaren Pro für die gleiche Klasse oder für die Trennung in verschiedene Klassen beantworten. Aber wo immer es um Menschen geht, gibt es keine klare Antwort und schon gar nicht eine für alle gültige. Daher schildere ich einige Beispiele aus meiner Tätigkeit als Lernbegleiterin und erläutere, warum die Entscheidung in dem Fall gut war. Die Namen habe ich natürlich geändert, es geht ja nur um die Erfahrungen, die Ihnen vielleicht helfen, eine Entscheidung zu fällen. In jedem Fall ist es wichtig, schon vor der Schulanmeldung mit den Erzieherinnen über die Frage zu sprechen. Sie können aus ihrer Alltagserfahrung wertvolle Hinweise beisteuern.

David und Goliath

Natürlich hießen die beiden Jungen nicht David und Goliath, aber sie waren im Aussehen und Verhalten so. Der eine eher klein, zurückhaltend, aber pfiffig, wenn er denn mal zum Zuge kam. Der andere groß, aufbrausend und immer vorneweg, wenn es nötig war. Die beiden Jungen liebten sich heiß und innig, aber es war schon in der Kita klar, dass die Interessen und Wünsche von David oft zu kurz kamen. Nicht, weil er sie nicht anbrachte, aber sein Bruder war schneller und lauter. Die Eltern haben nach Rücksprache mit den Erzieherinnen und Lehrern entschieden, die Kinder in verschiedene Klassen einzuschulen. Das führte dazu, dass David lernte, für sich selbst einzustehen und Selbstvertrauen aus sich selbst heraus entwickelte.

Caro und Carolinchen

Auch diese Mädchen hatten in Wirklichkeit andere Namen. Meine Namenauswahl soll zeigen, dass sie sich im Grunde sehr ähnlich waren mit einem großen Unterschied: Carolinchen war als zweite und sehr klein auf die Welt gekommen, sie musste in den ersten Lebensmonaten wirklich um ihr Leben kämpfen und blieb immer zarter, schüchterner und vorsichtiger als ihre Schwester Caro. Die hat schon im Kindergarten eine Beschützerrolle eingenommen, aber eher aus dem Hintergrund. Während Goliath im anderen Beispiel sich immer selbst ins Spiel gebracht hat, hat Caro auf Carolinchen verwiesen und ihre Fähigkeiten und Kenntnisse herausgestellt. Dadurch hatte auch Carolinchen ein gutes Selbstvertrauen, drang aber oft durch ihre zarte Stimme und Gestalt nicht zu den anderen Kindern durch. Die Mädchen wurden bewusst in eine Klasse eingeschult und beide entwickelten sich ihren Fähigkeiten entsprechend. Carolinchen blieb immer eine der Kleinsten, aber sie lernte es, sich durch ihre Stimme Gehör zu verschaffen.

Aspekte für oder gegen eine gleiche Klasse

Während ich die Beispiele aufgeschrieben habe, sind mir zwei grundlegende Punkte aufgefallen, die entscheidend sein könnten, ob Zwillinge in eine Klasse eingeschult werden oder in verschiedene. Am wichtigsten finde ich die Frage: Wie selbstständig und unabhängig ist jeder einzelne Zwilling? Ist einer immer dominant oder ordnet sich der andere immer unter? Dann wäre es sicher besser, die Kinder in verschiedene Klassen einzuschulen, damit zum einen der Schwächere die Chance hat, Stärke zu entwickeln, aber auch der Stärkere lernt, dass er nicht immer dominiert, die anderen Kinder werden sich das sicher nicht so schnell gefallen lassen wie der schwächere Zwilling.

Ein anderes Thema ist die kognitive, also geistige Entwicklung. Das hört sich jetzt negativ an, ist aber nicht so gemeint. Es gibt Zwillinge, die sind in der Merkfähigkeit, im Vorwissen, in der Motorik, in der Auffassungsgabe, gleich stark. Diese werden voraussichtlich auch in der Schule etwa auf einem Leistungslevel sein. Aber manche Zwillinge sind eben sehr unterschiedlich, das zeigt sich im Alltag und in der Kita. Gehen diese nun in die gleiche Klasse und hinkt einer immer hinterher, hat immer – im gleichen Test, bei der gleichen Arbeit – die schlechtere Note, so ist das frustrierend und demotivierend. Gehen die Kinder in verschiedene Klassen, kann das leistungsschwächere Kind die schlechteren Leistungen im Vergleich mit dem Zwilling vor sich selbst damit entschuldigen, dass die Lehrer und Schüler anders sind, ein anderer Stoff vermittelt wurde etc. Um das noch mal zu sagen: Ich spreche von Kindern in den ersten Klassen, die in der Regel lernen wollen und die sich Mühe geben, gut zu sein. Aber manche haben einfach nicht die geistigen Voraussetzungen und um nicht aufzugeben, brauchen sie für sich solche Entschuldigungen. Da sind sie nicht anders als wir Erwachsene!

Ihre Gedanken zur Einschulung der Zwillinge

Doch zurück zu den Zwillingen, wie haben Sie sich für Ihre Zwillinge entschieden bzw. welche Kriterien waren für Sie entscheidend oder worauf sollten andere Eltern besonders achten. Schreiben Sie sie mir per E-Mail oder kommentieren Sie Ihre Überlegungen. Ich sammle sie hier, damit andere Eltern sich davon anregen lassen können.

Gedanken zur Einschulung von einer Zwillingsmutter und Schulleiterin

Die Einschulung von Zwillingen aus Psychologensicht